Am Mittwoch, den 06. Mai 2009 fand ein Ortstermin des DGGL LV BayS in der Winfriedstraße in München statt. Damit wurde in diesem Jahr 2009 eine Reihe von Führungen eröffnet, die der Landesverband mit mit Unterstützung der HA Gartenbau des Baureferates der Stadt München anbieten kann.
Zunächst erläuterte LA Andreas Herrmann als Projektleiter von Seiten der Stadt die städtebaulichen Zusammenhänge des Grünzuges, der den Hirschgarten mit dem Nymphenburger Schlosspark über die Wotanstraße hinweg verbindet. Östlich der stark befahrenen Straße wurde ein schmaler Grünstreifen in einer vorhandenen Wohnbebauung verbreitert. Eine hemmende Aufschüttung, über die der Weg vormals verlief, wurde weitestgehend beseitigt, der Weg tiefer gelegt und ein Sitzplatz eingefügt.
Westlich der Wotanstraße führt der Grünzug zwischen zwei neu gebauten Wohnquartieren zum Schlosspark. Die Neubauquartiere sind auf Konversionsflächen der Bahn entstanden – die Winfriedstraße verläuft parallel zur Ost-West-Schienentrasse. Sie sind damit Teil einer der größten städtebaulichen Bewegungen in München - wie auch der Arnulfpark, über den im DGGL LV BayS vor genau einem Jahr gesprochen worden war.
Der Gesamtanlage, bei der sich Grünzug und durchgrünte Wohnblocks trotz unterschiedlicher Planerhandschrift zu einem ruhigen Ganzen fügen, liegt ein vielschichtiges Wettbewerbsverfahren zugrunde. Es gab städtebauliche Ideenwettbewerbe und Realisierungswettbewerbe. Den von der Stadt München ausgeschriebenen Wettbewerb für den Grünzug selbst konnte Landschaftsarchitekt Otto Bertram mit einem auf Erhalt und Zurückhaltung bedachten Konzept für sich entscheiden. Der Grünzug bewahrt gegenüber den weiträumigen Anlagen Nymphenburger Schlosspark und Hirschgarten dienenden Charakter.
Einen Schwerpunkt bildet die Aufweitung zu einem Platz an der Wotanstraße. Hier wurde der Höhenversprung nach Norden durch eine massive Quarzit-Natursteinmauer aufgefangen. Auf beiden Seiten der Straße lässt dieses Element erkennen: hier, dem aufsteigenden Weg bzw. Platz folgend, fängt etwas Schöneres an. Der Boden ist mit chinesischen Granitplatten belegt, Stufenanlagen rhythmisieren den Platz.
Aus chinesischem Granit bestehen auch die Sockel der Bänke, ihre Auflagen sind Standardelemente der „Münchener Bank“ aus dem Mobiliarkatalog. Allein durch das hochwertige Material der Sockel und dadurch, dass die Elemente zu einer langen Bank zusammengesetzt sind, fügen sie sich in die Platzgestaltung passend ein. LA Otto Bertram hatte sich zur Straße hin einen Brunnen vorgestellt, der allerdings aus Kostengründen entfallen ist.
Die Verbindungswege sind mit Olympia-Mastix befestigt. An wichtigen Punkten taucht der Granit wieder auf, so etwa bei den Zuwegen zu den Wohnquartieren, am Eingang zum Nymphenburger Schlosspark oder an einem Platz, der historisch aus einer von Sckell vorgesehenen Achse in den Schlosspark hinein entstanden ist, die aber nie umgesetzt worden war.
Entlang der Schlossmauer ist ein Grünstreifen, eine Wiese mit altem Baumbestand erhalten worden, der nicht eigentlich gestaltet wirkt, aber wohltuend an den früheren Charakter dieser einstigen Eisenbahnersportflächen anknüpft. Einige Teilnehmer erinnerten sich noch an deren Atmosphäre „im Schatten der Schlossparkmauer“.
Verbindung ist auch hier das große Thema des Grünzugs. Hier verläuft ein wichtiger Radweg.
Wo mit so viel Zurückhaltung gestaltet wird, gönnte sich der Landschaftsarchitekt einige besondere Gehölze bei der Zupflanzung. Der Park sollte duften: Flieder, Tulpenbaum und andere findet man zusätzlich zum vorhanden Baumbestand. Hunderte von Zwiebeln wurden dazu eingebracht.
Altbäume sind auch in einem Spielplatz integriert, den die Landschaftsarchitektin Frau Kronenbitter aus dem Büro Bertram geplant hat. Durch Handausschachtung wurde sichergestellt, dass die Wurzeln geschont blieben. Die Bäume mit den individuell eingearbeiteten Spielgeräten der Firma Zimmer-Obst verleihen dem Spielplatz einen besonderen Reiz. Durch Hecken ist er in Teilbereiche für unterschiedliche Altersgruppen unterteilt. Er wird gut erwartungsgemäß angenommen.
Auf dem Rückweg durch eines der Wohnquartiere ließ die DGGL-Gruppe den Anspruch an Wohnqualität von Seiten der Architektur und die zugehörigen Außenanlagen auf sich wirken, die formal-repräsentativ darauf antworten. Sie wurden von Schmidt-Landschaftsarchitekten geplant, der in diesem Bereich auch den städtebaulichen Ideenwettbewerb gewonnen hatte.