Etwa 30 Mitglieder und Gäste folgten am vergangenen Samstag, den 4. Juli der
Einladung des DGGL Landesverbandes Bayern-Süd zu einer Baustellenbegehung der
Landesgartenschau Rosenheim 2010. Mit viel Wetterglück – der Vorhersage nach hätte man mit Regenfällen und Gewitter rechnen müssen – konnte die entstehende Anlage unter Leitung Dipl.-Ing. Dagmar Voß, Geschäftsführerin der
Gesellschaft zur Förderung der Bayerischen Landesgartenschauen e.V., und LA Stefan Robel,
A24-Landschaft Berlin, besichtigt werden.
Schon auf dem Weg vom Bahnhof durch die Altstadt zum Ausgangspunkt der Führung konnte man ein Thema der Gartenschau wahrnehmen: die Frage der Anbindung des Mangfallufers an die Altstadt. Man streift den Riedergarten, wenn man sich ein wenig nach Süden verirrt, nachdem man schon in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs den historischen Salinplatz, dann eine ziemlich verbaute Wohnsiedlung der 60ger Jahre mit asphaltiertem Parkplatz und den Park des Kulturzentrums überquert hat. Der Riedergarten mit neu angelegtem Apothekergarten ist Teil der Landesgartenschau und leitet wohltuend in die Altstadt über. Diese ist nicht groß, man muss dann entlang einer Durchgangsstraße wenige hundert Meter an Wohn- und Gewerbebauten vorbeigehen, bis man der Bäume des Mangfallufers gewahr wird und aus der Nähe erste Staudenpflanzungen. Wegen der Überschwemmungsgefahr hatte sich die Stadt eher vom Fluss weg entwickelt. Eine geplante Hochwasserfreilegung wurde im Rahmen der Gartenschau 2010 vorgezogen. Nun werden die Ufer als Erholungsraum erschlossen. Ein 1,5 langer Park-Streifen erstreckt sich von der Mangfallmündung in den Inn nach Süden, im Norden als Erholungs-, im Süden als Spiel und Sportfläche ausgebaut. Er ist geprägt durch Parallelen: die Halbinsel zwischen Inn und Mangfall, den Damm und den Hammerbach, der nun eine Kajakstrecke für Kinder wird.
Mit 8 Brücken und Stegen werden diese Parallelen überquert. Sie gehen in Wege zu Grünanlagen zwischen Altstadt und Mangfall über, so etwa eben den Riedergarten und den Flamingogarten am Mühlbach, wo auch ein neues Wohnviertel entsteht. Lange Jahre war der Mühlbach verrohrt, nun ist er wieder erlebbar. Das Gartenschaugelände wird über das Stegesystem in der Altstadt „verankert“. 2002 bekam Rosenheim den Zuschlag für die Gartenschau. Nicht nur der Park und verbindende Teilbereiche wurden geplant, zahlreiche Umstrukturierungen im Umfeld mussten bewältigt werden. Im Bereich der Mündung der Mangfall zum Beispiel entstehen Wohnanlagen und ein Demenzzentrum. Der vor einigen Jahren umgebaute Riedergarten wurde – so weit durchsetzbar - von umstellenden Kleinbauten, Kiosken u.a.m., befreit. Auch war die Hochwasserfreilegung mit dem Wasserwirtschaftsamt abzustimmen. Solche Verhandlungen brauchten Vorlaufzeit, so Frau Voß, und seien wesentliche Voraussetzung für das Gelingen des städtebaulichen Konzeptes.
Im Park selbst sollte nicht Neues geschaffen, sondern Vorhandenes erlebbar gemacht werden, so LA Stefan Robel. In der Tat ist es verblüffend, wie anders der Blick auf den Inn von einer Aussichtsterrasse wenig nördlich der Mangfallmündung, wirkt als etwa vom Ufer oder von einer der Brücken auf die „Halbinsel“.
Der Damm wurde erhöht bzw. dem alten, von einer Kastanienallee gesäumten Damm vorgelagert, und mit einem deutlich breiteren Weg versehen. Er ist Teil des Inn-Radwanderweges. Auf Höhe des Dammfußes zum Wasser hin führt ein Weg mit Ruhebereichen und Bänken am Ufer entlang – wieder Parallelen. Reste des Auwaldbestandes werden hier mit naturnahen Staudenpflanzungen ergänzt. Eine Kletterskulptur aus Eichenholz von Florian Eigner bereichert die Flächen innerhalb des Dammes, ohne dass der Eindruck eines weiteren Spielplatzes entsteht. Weiter südlich wird den Ziergärtnern für die Dauer der Gartenschau unter dem Motto „Blütenfluss“ eine Fläche zur Verfügung gestellt. Dass man mit alten Bäumen arbeiten kann tut dem Park gut, besonders auch wegen der Abschirmung zu den Gewerbegebäuden zwischen Ufer und Altstadt.
Vom Südende der Anlage aus gelangt man über eine baumbestandene Straße zurück zum Riedergarten, wo in Erinnerung an den Apotheker Rieder ein Heilkräutergarten eingebracht wurde. LA Ulla Eutermoser aus Prutting entschied sich für eine Ordnung der Pflanzen nach Indikation. In regelmäßig angeordneten quadratischen Beeten werden sie präsentiert und in Schautafeln erläutert werden. Außen herum sind Bänke in kleinen Lauben als Eisen-Stahl-Konstruktionen aufgestellt. Schon heute lässt sich erkennen, dass der Riedergarten mit seinen Rosenpflanzungen und der Apothekergarten gern angenommen werden. Hier konnte nach schwierigen Verhandlungen auch der Alte Stadtgraben wieder geöffnet werden (auf dem Bild vorne bei den parkenden Autos).
Einen Übersichtsplan der LGS Rosenheim 2010 finden Sie hier.