Am Freitag, den 26. Juni 2009 fand in Freising das
20. Weihenstephaner Gartendenkmalpflegeseminar statt. Die zugehörige Exkursion am darauf folgenden Samstag, den 27. Juni führte nach Bayreuth zum
Gartenkunstmuseum im Schloss Fantaisie und zum
Hofgarten Eremitage.
Prof. Dr. Michael Goecke begrüßte die Teilnehmer zu diesem Jubiläum, das er unter das Thema „Wasser in historischen Gärten“ gestellt hatte.
Zunächst stellte LA Klaus Lingenauber aus dem Landesdenkmalamt Berlin Anlagen vor, bei denen in den vergangenen Jahren umfangreiche Arbeiten durchgeführt werden konnten. Er begann mit einer repräsentativen Brunnenanlage, die nach Planungen von Stadtbaurat Ludwig Hoffmann im Auftrag Kaiser Wilhelm II Anfang des 20. Jahrhunderts in einem der ersten Volksparks Berlins errichtet worden war: Friedrichshain. Deutlich lehnt sich der Stil der Gesamtanlage an die italienische Renaissance an. Es handelt sich um einen Märchenbrunnen, deren Sandsteinfiguren auf Wunsch Wilhelms II so niedrig angelegt waren, dass man sie anfassen konnte. Durch Kriegseinwirkungen und Einflüsse der Nachkriegszeit war er in seiner Ausstattung deutlich dezimiert. Auch die Idee des Schließens und Öffnens von Räumen im Eingangsbereich durch Hecken war weitgehend verloren gegangen. Vandalismus sei ein großes Problem. Mit einem Investitionsvolumen von einer Millionen Euro konnte die Anlage nun restauriert werden.
Des weiteren wurden Arbeiten an einem von Erwin Barth künstlich hergestellten Steinbruch am Sachsenplatz erläutert. Erwin Barth hatte auch bei der Planung des Grünzuges mitgewirkt, der in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts auf dem zugeschütteten und auf Lennesche Planungen zurückgehenden Luisenstädtischen Kanal entstanden war. Insbesondere der Mauerbau mitten durch die Anlage hatte diesen Zusammenhang zerstört. Nach der Öffnung der Grenze wird nun das Engelbecken wieder hergestellt, benannt nach einer Skulptur vor einer katholischen Kirche, und legt Zeugnis vom Lebensstil der Berliner Vorkriegszeit ab. Herr Lingenauber empfahl den Besuch der Promenaden – ab 2009 soll in schlichten Arkaden, dem so genannten „Wasserschloss“, zusätzlich ein Café eingerichtet werden.
Anlagen der Klassischen Moderne der Nachkriegszeit, die vom Denkmalamt Berlin bearbeitet werden, sind das Hansaviertel mit Hansbücherei – auch hier wurde ein Wasserbecken wieder freigelegt – und die Skulpturengalerie der Neuen Nationalgalerie. Hervorzuheben ist bei diesen Projekten der intensive Bezug von Innen- und Außenraum. Angenommen hat man sich auch der denkmalgerechten Wiederherstellung des Ernst-Reuter-Platzes, um dessen Gestaltung es zahlreiche architekturkritische Diskussionen gegeben hat.
Über Wasserkunst im Schlossgarten
Veitshöchheim sprach
Dipl.-Ing. Manuel Bechtold von der
Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, Würzburg. Zunächst vermittelte er einem die Lage und städtebauliche Einbindung des erstaunlich gut überkommenen Kleinods aus der Rokkokozeit. Seine Wasserspiele seien technisch aus der Lage bei einem Hang zu verstehen, das Grundwasser flösse dicht unter der Oberfläche im Bereich des Gartens in den Main. Mit Sauggräben habe man es aufgefangen, in Sammler geleitet und damit die Wasserspiele gespeist. Im Randbereich des Gartens steht noch der zugehörige Wasserturm. Herr Bechtold gab einen Einblick in die historische Technik. Er zeigte Bilder der vor Jahrhunderten gemauerten unterirdischen Anlagen, die noch heute, wenn man sie freilegte, funktionierten. Auch habe man ein Netz von Bleileitungen gefunden. Gleichzeitig vermittelte er die Geschichte und künstlerische Bedeutung der Anlage.
Prof. Dr. Géza Hajós, Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Historische Gärten, Wien, gab einen breit angelegten Überblick über die Rolle des Wassers in historischen Gärten Österreichs. Im Übergang von Mittelalter zur Neuzeit sei dem Umgang mit Wasser eine besondere Bedeutung zugkommen. Mit der aufkommenden Renaissance habe man mit Wasserkunst Beherrschung der Natur zum Ausdruck gebracht: Wasserkraft architektonisch/baulich beherrscht und künstlerisch gestaltet in Brunnen, Kaskaden, Kanälen, Grotten. Anhand von Figurenschmuck der Villa d´Este zeigte er, dass dabei auch das Ideal agrarischer Fülle lebhaften Ausdruck fand. Geza Hajos umriss diese Entwicklung bis zum Barock anhand großer Beispielobjekte wie dem Wiener Neugebäude des Kaisers Maximilian II (1570), den manieristischen Gärten von Hellbrunn des Salzburger Erzbischofs Marcus Sittikus (1612-1619), des Wiener Belvederegartens Prinz Eugens von Dominique Girard (1720-1730), Schloss Schönbrunn, um nur einige zu nennen, und hätte dies noch weiter führen können bis ins 20. Jahrhundert.
Dipl.-Ing. Rainer Herzog, Leiter der Gartenabteilung der bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, stimmte auf die Exkursion zum Gartenkunstmuseum Schloss Fantaisie in Bayreuth am folgenden Tag ein. Er zeigte eindrückliche Bilder zum Schicksal des Schlosses nach 1937, als es von privaten Eigentümern verkauft und rücksichtslos zunächst für das rote Kreuz, dann von einem Fotohändler umgebaut worden war. Die Raumfluchten seien dabei zerstört worden. Nach dem Rückkauf durch den Staat habe es zunächst neun Jahre leer gestanden, dann habe man mit dem Umbau und der Entwicklung eines Konzeptes für ein Museum der Gartenkunst begonnen (1991).
Bewusst habe man aus Platzgründen auf eine umfassende Abhandlung aller Epochen verzichtet und sich auf Aspekte des 17.-19. Jahrhunderts mit einem Schwerpunkt auf den süddeutschen Raum konzentriert. Die zwanzig Räume behandeln darüber hinaus Themen wie Gestaltungselemente (Skulptur, Wasser, Bauwerke), Grundlagen der Gartenkunst (Literatur, Werkzeug, Personal), Gartenpflanzen und Gartennutzung (Möbel, Zierrat, Feste und Spiele, Klöster, Bauern- und Bürgergärten, Volksgärten). Ein Bereich ist der Geschichte und Gestaltung von Schloss und Park Fantaisie selbst vorbehalten, die, so Rainer Herzog, das Hauptausstellungsstück darstellten. Er zeigte Bilder dazu, vor allem auch von der Freilegung einer Kaskade, die lange unter einem baumbestandenen Hügel verborgen gewesen sei. Man habe festgestellt, dass sie fast noch funktionstüchtig gewesen sei - inzwischen sei sie restauriert.
Zwei singuläre Ausstellungsstücke am Anfang und am Ende des Rundgangs führten in besonderer Weise vor Augen, wie gefährdet Gartenkunstwerke durch mangelnde Pflege und Zerstörung durch Krieg oder Naturkatastrophen seien: Im Foyer sei ein vom zweiten Weltkrieg beschädigter Pfeiler einer im 16. Jahrhundert errichteten Pergola des bereits im 18. Jahrhundert untergegangenen Hortus Eystettensis zu sehen, als zeitliches Gegenstück dazu ein Modell des chinesischen Turms im Englischen Garten aus den 50er Jahren. Es wurde im Zuge des Wiederaufbaus des durch Bomben völlig zerstörten Originals gefertigt.
An der Exkursion selbst konnte ich leider nicht teilnehmen und muss mich daher darauf beschränken, ein Bild von beizusteuern, das mir Peter Kindereit zur Verfügung gestellt hat.
Den Tagungsunterlagen lag eine Würdigung der Fakultät Landschaftsarchitektur der FH Weihenstephan zum 20. Jubiläum bei. Nach einem solchen Programmangebot nahm man sie gern auf, auch wenn man staunt, wenn es darin heißt, die erste Vorlesung von Prof. Dr. Michael Goecke im Jahr 1987 sei "die erste im Fachgebiet Gartendenkmalpflege in Deutschland" gewesen - hatte man doch etwa zu dieser Zeit selbst mit Dankbarkeit die letzten Berufsjahre von Prof. Dr. Dieter Hennebo in Hannover erlebt. Aber das tut nichts zur Sache, wenn man die Weihenstephaner Gartendenkmalpflegeseminare schätzen gelernt hat.
Nach einer Führung im wieder instand gesetzten Oberdieckgarten mit Prof. Dr. Bernd Hertle lud Michael Goecke zu einem Empfang ins Salettl ein. Erst jetzt schienen es viele der Teilnehmer ernst zu nehmen, dass dieses Weihenstephaner Gartendenkmalpflegeseminar das letzte gewesen sein könnte - im vorigen Jahr war er emeritiert worden. Von vielen Seiten wurden drängende Stimmen laut, die Reihe fortzusetzen, die sich im Laufe der Jahre stabilisiert hatte und Besucher aus der ganzen Bundesrepublik, aber auch aus Österreich und gelegentlich auch anderen europäischen Ländern nach Freising lockte. Ein großer Kreis regelmäßiger Besucher würde die jährlichen Treffen unter Fachleuten in eingespieltem Rahmen sehr vermissen. Die Antwort blieb offen.
Zum Jubiläum jedoch hatten einige dem Blumen und Geschenke mitgebracht. Für den Arbeitskreis historische Gärten der DGGL sprach Herr Thimm. Dann habe ich die Gelegenheit ergriffen, ihm im Namen des DGGL Landesverbandes Bayern-Süd einen Blumenstrauß zu überreichen. In meinen Augen hat die Gelassenheit der Athmosphäre in den Weihenstephaner Gartendenkmalpflegeseminaren einen besonderen Wert, der Ausstrahlung historischer Anlagen selbst ähnelnd. Sie ist gewachsen und nicht von heute auf morgen zu ersetzen. So passt es ins Bild, wenn auch als rein persönlicher Gruß Blumen an Michael Goecke überreicht wurden, deren Dank auch seiner Frau gilt.