Am Montag, den 16. November 2009 folgten knapp 20 Personen der
Einladung des DGGL-Landesverbandes Bayern-Süd zu einer Führung mit der Kunsthistorikerin Dr. Iris Lauterbach in den Gebäuden, die in den 1930er Jahren von der
NSDAP am
Königsplatz in München errichtet worden sind. Man traf sich im Foyer der Meiserstraße 10, wo heute verschiedene Kunstinstitute untergebracht sind, das aber einmal der Partei als Verwaltungsbau diente. Hier wurden die Karteien der Parteimitglieder und das Parteivermögen verwaltet.
Äußerlich symmetrisch angeglichen, im Innenraum jedoch mehr auf Repräsentation ausgerichtet war der ehemalige „Führerbau“ nördlich der Brienner Straße, in dem heute Musik studiert wird. In dem einen liegen die Treppen seitlich an einem Innenhof, die Ballustraden sind Schmiedeeisen, im anderen dominiert eine Freitreppe mit Ballustraden aus Marmor und massiven, nicht nur natursteinverkleideten Säulen. In beiden Gebäuden wurden hochwertige Materialien verwendet.
Städtebaulich wandelte sich der Königsplatz zu einem repräsentativen Aufmarschplatz, ganz mit Granitplatten belegt, dessen „sakrale“ Orientierung die so genannten „Ehrentempel“ rechts und links der Brienner Straße bildeten. Iris Lauterbach zeigte Bilder der hier in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft jährlich stattfinden Aufmärsche, mit denen der „Gefallenen“ vom 9. November 1923 gedacht werden sollte, dem Tag von Hitlers gescheitertem „Marsch von der Feldherrenhalle“. Sie waren hier aufwendig aufgebahrt worden.
Die Bauwerke schlossen den Raum. Der Charakter einer offenen Gartenstadt, wie sie Friedrich Ludwig von Sckell und Karl von Fischer konzipiert hatten und wie sie zwischen Karolinenplatz und Königsplatz u.a. mit der Villa von Karl von Fischer und der der Schwiegereltern von Thomas Mann zu dieser Zeit auch noch erhalten waren, wandelte sich. Diese Gebäude mussten weichen. Zahlreiche andere Gebäude im Block wurden mit dem Aufstieg der Macht an die NSDAP verkauft und verschiedenen Funktionen zugeführt.
Das erste Gebäude, das die Nationalsozialisten in diesem Viertel erwerben konnten, war das so genannte „Braune Haus“, eine Villa an der Nordseite der Brienner Straße. Im Krieg wurde es zerstört. An dieser Stelle soll nun das NS Dokumentationszentrum entstehen.
Die Anlage diente der Partei vor allem der Repräsentation, das Zentrum der Macht lag in Berlin, so Iris Lauterbach. Das „Münchener Abkommen“ von 1938 sei der einzige unmittelbar politische Akt gewesen, der hier stattgefunden habe.
Architekt
Adolf Hitlers war
Paul Ludwig Troost. Gleich nach der Machtergreifung begann er mit seinen Planungen. Seinen Stil bezeichnete Iris Lauterbach als „Dampferstil“, großbürgerlich, international, konservativ, mit aufwendiger Ausstattung an Eicheneinbauten und Vertäfelungen.
Die Gruppe wurde in Räumlichkeiten geführt, die der Öffentlichkeit sonst nicht zugänglich sind. Iris Lauterbach zeigte Bilder der früheren Ausstattung, auch die Malkunst war ein wesentlicher Bestandteil ideologischer Selbstdarstellungen.
Das heutige Zentralinstitut für Kunstgeschichte ist aus der Organisation entstanden, mit der die Amerikaner nach dem Krieg die Rückgabe von Beutekunst vornahmen. Hunderte von Kunstwerken liefen durch die Räume des vormaligen „NSDAP-Verwaltungsbaus“. Gegen Ende des Krieges sollten die Karteien der Parteimitglieder vernichtet werden. Man brachte sie zu einem Papiermüller, der sie aber unter anderem Altpapier versteckte. Heute befindet sich die Kartei in Berlin.
Iris Lauterbach hat gemeinsam mit Ulrike Grammbitter unter dem Titel „Das Parteizentrum der NSDAP“ kürzlich ein Buch veröffentlicht (DKV-Edition, München 2009). Es kostet 8 Euro und ist im Handel oder beim Pförtner der Meiserstraße 10 (Zentralinstitut für Kunstgeschichte) erhältlich.
In den 80er Jahren wurde die Befestigung des Königsplatzes mit Granitplatten zurück gebaut. Die Rasenflächen nördlich und südlich der hier schmalen Brienner Straße werden bei der Stadt München allerdings als Verkehrsflächen, nicht als Grünflächen geführt.
Im Jahr 2000 wurden die Gebäude und die Fundamente der „Ehrentempel“ unter Denkmalschutz gestellt. Sie sind heute begrünt teils mit Wildaufwuchs, teils mit Anpflanzungen aus den 50er Jahren, nachdem eine Reihe von Vorschlägen wie etwa dem Kardinal Faulhabers, an dieser Stelle je eine evangelische und eine katholische Kapelle zu errichten sowie einige Wettbewerbsergebnisse verworfen worden waren. Entlang der Arcisstraße schirmt eine Gehölzpflanzung den Blick vom Königsplatz auf das Ensemble ab.
Im Frühjahr dieses Jahres wurde der Wettbewerb für das NS Dokumentationszentrum entschieden, das an Stelle des ehemaligen „Braunen Hauses“ gebaut werden soll. Der Architekt Wetzel hat ihn mit der Idee eines massiven Betonbauwerkes gewinnen können.
Die Frage, wie man mit dem Erbe auch städtebaulich umgehen soll, ist also nach wie vor im Fluss.