Einführung
Am Abend des 2. Dezember 2009 fand sich in der Seidlvilla in München eine Gruppe von etwa 20 Personen zu einer DGGL-Verantaltung mit LA Adelheid Schönborn ein, um darüber nachzudenken, welchen Beitrag die Landschaftsarchitektur zur Entwicklung des Kunstareals München leisten könnte.
Hintergrund ist die Diskussion um den zweiten Bauabschnitt der Pinakothek der Moderne, der noch nicht verwirklicht werden konnte. Das Museum kann daher u.a. wertvolle Bestände ihrer Grafiksammlung nicht angemessen deponieren, geschweige denn ausstellen. Wie auch für den ersten Bauabschnitt engagiert sich die Stiftung Pinakothek der Moderne dafür, dies zu lösen, und hat dazu gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Städtebau und Regionalplanung der TU München am 17./18. April 2009 eine internationale Tagung veranstaltet. Fachleute verschiedener Sparten tauschten sich aus zu Themenfeldern wie Museumskonzeptionen, Wahrnehmbarkeit, Öffentlichkeitsarbeit, Verkehrsanbindung und architektonische Visionen. Zur Dokumentation siehe hier.
Demnach war man sich einig, dass die Stadt mit dem Kunstareal über ein großes Potential verfügt, das ausbaufähig ist und einen Faktor im Wettbewerb der Städte darstellt. Um dies zu entwickeln wurde ein Masterplan ins Auge gefasst, der im Gebiet vom Königsplatz über Karolinenplatz bis zu den drei Pinakotheken als Leitfaden für einzelne Maßnahmen dienen kann. Dabei fließen Überlegungen Anbindung an den Hauptbahnhof, an die Innenstadt sowie die umgebenden Viertel, aber auch zur Orientierung innerhalb des Viertels ein. Eine Umfrage hatte ergeben, dass das Publikum verblüffend wenig weiß, welche Museen sich wo befinden.
Museumsfachleute diskutierten über Vernetzung und Außenwirkung der inhaltlichen Arbeit in den Museen. Baulich kann das Zusammenspiel von Innen- und Außenraum einen Beitrag dazu leisten, dass man die Kunstwerke angemessen erleben kann.
Dazu ist auch Landschaftsarchitektur gefragt. Im Heft 1/2009 der von der Stiftung Pinakothek der Moderne herausgegebenen „Rotunde“ schreibt Verena Richter: „Würde jedes Museum des Areals über eine Grünfläche verfügen, könnte man einen Kulturpark gestalten, der genau diese Orte der Kontemplation und Kommunikation bietet (bezogen auf die intensiv genutzten Flächen der Alten Pinakothek, Anm. d. Verf.). Grüne Oasen als verbindendes Element.“
Zur Geschichte des Stadtviertels Maxvorstadt
Ich habe die Gelegenheit genutzt, die Geschichte des Stadtviertels kurz darzustellen, um auf das Thema hinzuführen. Es handelt sich um die erste Stadterweiterung außerhalb der alten Stadtmauern Münchens. Friedrich Ludwig von Sckell ist es zu verdanken, dass dazu ein Plan erstellt wurde. Wie Hans Lehmbruch nachweisen konnte, geht die Idee des offenen Straßenrasters wesentlich auf ihn zurück. Er löste sich vom Bild der von Mauern umschlossenen Stadt und schuf damit die Voraussetzungen, um das vitale Wachstum im beginnenden 19. Jahrhundert aufzunehmen.
In diese Idee wurde die Platzfolge Karolinenplatz, Königsplatz und Stiglmaierplatz auf der heutigen Brienner Straße, der Verbindungsstraße der Residenz nach Nymphenburg, eingefügt, um dem Repräsentationsbedürfnis des Monarchen gerecht zu werden. Am Karolinenplatz musste außerdem die Diagonale der heutigen Max-Joseph-Straße hingenommen werden. Sie war zum Zeitpunkt der Planungen mit der „normativen Kraft des Faktischen“ bereits angelegt. Ich meine mich an eine Lektüre zu erinnern, wonach Sckell sogar einen Versuch unternommen hat, diese Diagonale zurück bauen zu lassen, was aber nicht mehr durchsetzbar war.
Beim Karolinenplatz ist noch heute der gedankliche Ansatz von Friedrich Ludwig von Sckell und Karl von Fischer ansatzweise ablesbar: die Idee einer Vorstadt mit Villen in Gärten mit Abstand zum Straßenraum.
Dieses Leitbild ließ sich in den folgenden Jahren nicht durchhalten, der Wohnungsdruck wurde zu groß, die Zahl finanzstarker Bauherren war zu gering. Im öffentlichen Bereich aber blieb es der ausdrückliche Wunsch König Ludwig I, Grünflächen um seine Museen anzulegen, die er später mit Leo von Klenze, Friedrich von Gärtner und August von Voit baute. Die beliebten Grünflächen am Königsplatz und an der Alten Pinakothek gehen auf ihn zurück. In der dicht bebauten Maxvorstadt wirken sie bis heute wohltuend.
Außenraumgestaltung an der Pinakothek der Moderne und am Brandhorst Museum
LA Adelheid Schönborn zeigte ein Reihe wunderbarer Fotos zur Architektur der Pinakothek der Moderne und dem Brandhorst-Museum mit Umfeld. 1993 wurde sie mit der Gestaltung der Außenräume betraut. Ihr Aufgabengebiet umfasst auch den Baumbestand bei der Alten Pinakothek.
Eine verbindende Grünstruktur wird durch die Kastanienreihen erreicht, die sich von der Alten Pinakothek bis auf das Areal der Pinakothek der Moderne erstrecken. Einige der Bäume stammen aus dem 19. Jahrundert, als die Türkenkaserne gebaut wurde, andere, etwa die Doppelreihe entlang der Gabelsberger Straße, wurden in den 50er Jahren gepflanzt. Im Umgriff des Braunfels-Baus wurden die alten Kastanien weitestgehend über die Bauzeit gerettet und die Miniermotte konsequent bekämpft. Inzwischen haben sie sich erholt.
Die Plastik „Die drei Frauen“ von
Chillida, die jeweils zu den drei Pinakotheken blicken, soll die Verbindung der Bauwerke symbolisieren. Die Einrichtung eines Skulpturengartens auf dem Gelände konnte jedoch ebenfalls aus finanziellen Gründen nicht realisiert werden.
In der Achse zwischen dem „Türkentor“ und der Alten Pinakothek war ursprünglich ein Wasserbecken geplant. Stattdessen wurde mit Mitteln eines Sponsors eine Wiese eingesät. Der Rasen wird im Sommer von Studenten und Gästen gut angenommen.
Das verbliebene Tor der im zweiten Weltkrieg zerstörten Kaserne werde durch die Neubauten und die Achse an sich unverhältnismäßig aufgewertet, so Frau Schönborn, aber durch die künstlerische Bearbeitung der Architekten Sauerbruch Hutton und durch eine Skulptur von Walter de Maria sei etwas Schönes daraus geworden. Im April ist die Eröffnung geplant.
Die Grünplanung erstreckt sich bis in das Gebäudeinnere, wo in der Eingangshalle im Bereich des Museumscafes große, mittlerweile fast 6 m hohe, „Ficus longifolius“ aus einer belgischen Gärtnerei gepflanzt wurden.
Südlich der Pinakothek der Moderne ist lediglich eine Kiesfläche vorhanden. Hier ist der 2. Bauabschnitt vorgesehen, nach Braunfels Plänen angelehnt an die Blockrandbebauung der Maxvorstadt im Winkel entlang der Gabelsberger Straße und der Türkenstraße. Unklar ist, wie dabei die Kastaniendoppelreihe erhalten bleiben kann.
Die Gebäude sollen an der Straßenecke verglast sein und so den Bezug zur Innenstadt, zum Odeonsplatz verdeutlichen. Allerdings wird die Kreuzung, vor allem aber die vierspurige Zufahrt zum Altstadttunnel von Autoverkehr dominiert, so dass diese Verbindung für Fußgänger kaum erlebbar ist.
Am Museum Brandhorst wurde entlang der Türkenstraße eine Robinienreihe gepflanzt. Auf den bunten Keramikstäben der Fassade entsteht bei Sonnenlicht durch das lichte Robinienlaub ein reizvolles Schattenspiel. Der am Ende leicht verengte Durchgang von der Theresienstraße zur Pinakothek der Moderne entlang der Sammlung Brandhorst mit einem Baum als Blickpunkt wirkt städtebaulich gut gelungen.
In der Diskussion wurde auch über andere Baumaßnahmen der letzten Jahre in der Maxvorstadt gesprochen. Die Ergebnisse eines Studentenwettbewerbs sowie alternative konzeptionelle Entwürfe wurden gezeigt und kommentiert. Man kann sie ebenfalls der Dokumentation auf der Website der Stiftung Pinakothek der Moderne entnehmen.
Ausblick Masterplan
Nach Frau Schönborns Einschätzung ist der Bedarf für einen Masterplan erkannt worden, der dem Kunstareal als Ganzes ein Gesicht geben kann. Dazu sollen jetzt, so wurde das Ergebnis der Tagung vom 17./18. April 2009 verstanden, Kriterien erarbeitet werden.
Wie könnten solche Kriterien bezogen auf das Stadtgefüge und den Außenraum lauten? Vielen schienen die Chancen , die in seiner Gestaltung liegen, ungewöhnlich vielversprechend.
Veronika Fischer-Horns und Susanne Hlawaczek
(Bild Chillida (C): digital cat via flickr.com unter CC-BY-Lizenz)