Grün sei positiv besetzt, heißt es immer, und es gibt Städte, die auf eine attraktive Grünplanung setzen, um einen Impuls im Wettbewerb der Standtorte zu geben. Gärten haben ein freundliches Image, nimmt man an. Im Spiegel-Online Journal vom 19. April 2010 stellt sich das anders dar - siehe hier.
"Vielen Dank für die Schulden" lautet die Überschrift zu einem Artikel von Julian Trauthig über Bundesgartenschauen. Seine Quintessenz läuft darauf hinaus, dass sie niemandem außer der Gartenbaubranche und den Planern nützten und im Wesentlichen Steuergelder verschwendeten. "Die einzige, die direkt von Blumenschauen profitiert, ist die Gartenbaulobby". Der Begriff "Nachhaltigkeit" sei oft gepriesen, aber kaum zu messen, ebenso wie die positiven finanziellen Effekte für die Region.
Dass sie zu einer gelungenen Stadtentwicklung beitragen könnten wird kaum ernsthaft diskutiert, eher bezweifelt. Zweistellige Millionenbeträge werden dagegen genannt, um Kosten und Defizite zu beziffern.
Im kulturellen Bereich war der Spiegel noch nie ein Blatt, das Maßstäbe auf dem Weg der Unterscheidungen gesetzt hätte. Auch hat man den Eindruck, dass man die Aussagekraft der genannten Zahlen durchaus in Frage stellen kann. Ein eher polemisch vor sich hinschäumender Stil erinnert mehr an ein Propagandaschriften als an seriöse Berichterstattung. Gleichwohl muss man es ernst nehmen, dass solche Texte Wirkung haben. Sie sollten nicht unkommentiert bleiben.
Man muss es wohl zur Kenntnis nehmen, wie wenig Stadtgestaltung, insbesondere Grünplanung als kultureller Beitrag, räumliche Organisation, Baukulter und Qualität im Außenraum als "Aktiva" städtischen Lebens in der Öffentlichkeit bewußt sind. Ansonsten könnte ein solcher Artikel wohl kaum auf zustimmende Leser hoffen.
Und noch etwas: im Zuge der Diskussion zum Internet ist viel von "Qualitätsjournalismus" gesprochen worden. Nicht notwendig aber scheint die Zugehörigkeit zu einem etablierten Blatt dazu zu verpflichten.