Am Freitag, den 28.9.2007 wurde in dem prächtig ausgestatteten barocken Galeriegebäude der
Herrenhäuser Gärten in Hannover der diesjährige
DGGL Kulturpreis verliehen.
Dr. Dietrich H. Hoppenstedt erhielt das „Goldene Lindenblatt“ für sein Wirken als Präsident der Stiftung Niedersachsen ebenso wie als Privatperson.
Die Stiftung Niedersachsen nimmt sich seit gut 20 Jahren in ungewöhnlicher Weise der Belange von Gartenkunst und Landschaftskultur an. Im Jahre 2000 bekam sie – nicht durch Zufall – einen Präsidenten, der als Enkel eines Bauern und Sohn eines Försters eng mit der Kulturlandschaft in Berührung kam. Später erschloss sich ihm auch die Gartenkunst, deren Wurzeln er in Qualitäten kultivierter Landschaft sieht. In den 70ger Jahren erstand der erfolgreiche Jurist zusammen mit seiner Frau ein Grundstück in Großburgwedel, das im Laufe der Jahre zu einem 7 ha großen Anwesen erweitert werden konnte.
„Black finger-nails“ seien ein Merkmal von begeisterten Gärtnern, und die habe das Ehepaar Hoppenstedt sicher oft gehabt, so der Präsident der DGGL und Laudator Kaspar Klaffke, auch wenn beide sich zur Bepflanzung und Anlage der Raum-Struktur von den Landschaftsarchitekten Holger Haag und Günter Nagel haben beraten lassen. Er selbst sei Herrn Dr. Hoppenstedt im Zuge der Vorbereitung der Expo 2000 in Hannover begegnet und von seinen Beiträgen als Bauherr beeindruckt gewesen. In seiner damaligen Eigenschaft als Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes habe Hoppenstedt dazu beigetragen, dass zwei wichtige Gebäudekomplexe am Kronsberg nicht nur architektonisch anspruchsvoll, sondern auch mit inneren und äußeren Gärten verbunden gelangen: die Datenverarbeitungsgesellschaft des Sparkassen- und Giroverbandes , dvg, mit den Architekten Hascher und Jehlen und den Landschaftsarchitekten Trillitzsch, Jost & Partner, sowie die Landesbausparkasse, LBS, mit dem Architekturbüro Pysal Stahrenberg und den Landschaftsarchitekten Isterling und Partner. Bei der Gestaltung des früheren IBM-Geländes und der Umgebung zu einem temporären Park wirkten die Landschaftsarchitekten Günter Nagel und Chrisoph Schonhoff.
Eine solch anspruchsvolle Dichte an landschaftlicher Qualität setze das Verständnis und Engagement von Bauherren voraus, deren Beitrag mit dem Goldenen Lindenblatt hier gewürdigt werden solle. Seinem Ideenreichtum sei es mit zu verdanken, dass der Bau des Mövenpickrestaurants in den Herrenhäuser Gärten ebenso wie der Feigengarten und der Blumengarten (LA Guido Hager, Zürich) und wie auch die Grotte nach Entwürfen der Künstlerin Niki de Saint Phalle, zustandekam. Gleichzeitig wurde das Hardenbergsche Haus an die Finanzgruppe verkauft und zu einem Gästehaus ausgebaut – ebenfalls mit einem Garten nach einem Entwurf des Büros Lohhaus Carl. Auch das Neuhardenbergsche Haus mit einem Park von Peter Joseph Lenné in Brandenburg erstrahle als Hotel und Gästehaus heute in neuem Glanz. Im Rahmen seiner späteren Tätigkeit als Präsident der Stiftung Niedersachsen habe er mitgeholfen, dass die Zentrum für Gartenkunst und Landschaftsarchitektur, CGL, in Hannover gegründet werden konnte. Anstoß habe 1996 das Symposium „Das grüne Paradies“ gegeben.
In seiner Dankesrede hob Hoppenstedt den kulturellen Wert von Gärten und Kulturlandschaften hervor. Er nannte dazu die Begriffe Ästhetik, Wissen, Heiterkeit. Der Mensch habe ein Bedürfnis nach Balance, die in kultivierten Gärten zum Ausdruck kämen. Als begeisterter Gärtner, als den ihn auch Kaspar Klaffke wahrgenommen hatte, merkte er an: „Je stumpfsinniger die Arbeit, desto besser die Ideen, die man dabei hat“. Gärten und Parks hätten eine eigene Identität. Sie vermittelten wiederum ein Gefühl für die persönliche Identität. Wenn Unternehmen und Kommunen dies erkennen würden, würden sie mehr für Grünanlagen investieren. Die Freude am Garten sei die beste Verzinsung des Kapitals, das er persönlich in Grund und Boden angelegt habe – allerdings auch die einzige. Das Finanzamt zeige offenbar wenig Verständnis für diese Art der Kapitalanlage und habe besorgt eine Prüfung angeordnet, so erzählte er. Das Publikum verstand ihn gut.
Dr. Klaus von Krosigk erinnerte mit Blick auf die Räumlichkeiten aus den Zeiten Konigin Sophies daran, dass die Gartenkunst immer auch ein Anliegen von Königen war, bevor der Abend mit einem Streichquintett von Mendelssohn-Bartholdy ausklang.
(Photo: (c) 2006 by Guesti)