Am Montag, den 7. Juni 2010, wurde im mit 220 Besuchern voll besetzten Saal des
Hauses der Architektur des Landschaftsarchitekten Roberto Burle Marx (1909-1994) gedacht. Die
Bayerische Architektenkammer hatte im Rahmen des „Architekturclubs“ gemeinsam mit dem
DGGL LV Bayern-Süd eingeladen, um einem einführenden Vortrag von LA Prof. Hubert Möhrle und einem Film des ZDF von Hermann Schlenker zu folgen:
„Die Welt, in der wir wohnen – Brasilianische Gärten von Roberto Burle-Marx“.
Zunächst bedankte sich der stellvertretende Vorsitzende des DGGL Landesverbandes LA Wolfgang Niemeyer bei der Architektenkammer und gab dann einen kurzen Überblick über das Leben und die Tätigkeit von Burle Marx. 1909 wurde er als Sohn einer brasilianischen Mutter und eines deutschen Vaters, eines Kaufmannes aus Trier, in São Paulo geboren. Er studierte Architektur und bildende Kunst. Auch der Umgang mit Landschaft war für ihn Kunst. 1932 baute er sein erstes Projekt, einen Dachgarten, 1955 eröffnete er ein eigenes Büro.
Als wichtige Projekte wurden der Parc de Flamengo und die Strandpromenade Copacabana in Rio de Janeiro sowie Gartendesigns für öffentliche Gebäude in Brasilia und die Außenanlage Unesco Miami genannt. 1994 entwarf Burle Marx den Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin, der allerdings nicht gebaut wurde. Im selben Jahr starb er in Rio de Janeiro. Sein Landsitz auf einer alten Kaffeeplantage, wo er Pflanzen gesammelt, gearbeitet und im Kreis von Freunden gefeiert hatte, sollte in eine Stiftung überführt werden.
Wolfang Niemeyer wies auf den engen Zusammenhang von Entwurf und Malerei hin, den Burle Marx in kräftigen Zügen darzustellen wusste. Als Student habe ihn dies sehr inspiriert, als er dem Künstler in München an der Hochschule bei einer Gastvorlesung begegnet war.
Prof. Hubert Möhrle hatte Burle Marx auf einer Reise der Architektenkammer nach Brasilien kennengelernt und ihn später wiederholt besucht, auch zur Zusammenarbeit.
Von 3000 Projekten habe Burle Marx etwa zehn Prozent realisiert. Stets sei er früh aufgestanden, auch wenn lange gefeiert worden war. Man sah ein Bild, wie er in seiner Anlage in einer Loggia malte, und erfuhr, dass er, wenn er nicht weiterkam, zu seinen Pflanzen ging, um sie zu bewässern und zu sehen. Diese Pflanzensammlung sei von zentraler Bedeutung für sein Schaffen gewesen. Bei einem Besuch im Botanischen Garten in Berlin Dahlem sei er auf auf brasilianische Pflanzen gestoßen, die er noch nicht kannte. Es sei ein Schlüsselerlebnis gewesen, soviel unentdeckte Schönheit seiner Heimat hier zu finden. Seitdem sei er viel unterwegs gewesen, auch mit Spaten - vom Urwald war die Rede, wo er neue Pflanzenarten entdeckte, die manchmal nach ihm benannt wurden.
Burle Marx soll sieben Sprachen gesprochen haben, zu vorgerückter Stunde habe er sich den Spaß erlaubt, Latein zu sprechen. Man sah Bilder des privaten Ambiente mit der gastfreundlichen Tafel und bis ins Detail durchdachter Dekoration, natürlich auch mit Blumen.
Die französische Gartenkunst habe Burle Marx ebenso gründlich studiert wie die Englische, die ihm als Basis für seinen eigenen Stil mit mehr Volumen, mehr Pflanzen und mehr Farben dann doch näher gelegen habe. Viele Privatgärten habe er gebaut, deren Dimension in der Gesellschaft Brasiliens allerdings in etwa den hiesigen Landesgartenschauen entsprächen. „Jeder Garten ist ein Kunstwerk“, habe er gesagt.
Mit großen Architekten wie Oskar Niemeyer, Richard Neutra, Lucio Costa habe er zusammengearbeitet und Gesamtkunstwerke geschaffen. Man sah Regierungsgebäude mit Wasserflächen, die Innen und Außen verbanden. Heimische Sumpfpflanzen darin bildeten ein vegetabiles Volumen, aber auch eigene Skulpturen waren eingebracht. Bei einem anderen Projekt war das Gebäude in eine Hügellandschaft eingebunden, die große unterirdische Bauvolumen wie eine Tiefgarage verbargen. Es entstand in einer Zeit, in der Dachbegrünung hierzulande noch in den Anfängen war.
Burle Marx ging aus und ein bei einer Klientel, die über hektarweise privates Land verfügte und sich ohne Personenschutz nicht in die Öffentlichkeit begab. Er selbst habe diesen nicht gebraucht. Selbst in den Favelas sei er bekannt und geachtet, ja geliebt gewesen bis über den Tod hinaus. Er habe „ein Herz für das Volk“ gehabt und gewissermaßen demokratisch geplant. Den Flamengopark habe er quasi unentgeltlich gestaltet, gemeinsam mit seinen engsten Mitarbeitern Hano Yoshi und Fatima, die sein Büro auch heute noch weiter führen. Fast wie ein eigenes Kunstwerk wirkten die wohl geordneten Planrollen im Hintergrund einer Aufnahme aus seinem Büro. Seine Pläne seien wie Gemälde gewesen, das Archiv umfangreich, gut geordnet und von hohem Wert.
Der Film „Die Welt, in der wir wohnen – Brasilianische Gärten von Roberto Burle-Marx“ von Hermann Schlenker (© ZDF, D 1981, 44 min) stellte noch einmal in bewegten Bildern dar, wie großräumig Burle Marx dachte, gestaltete und lebte. Er eröffnete mit Luftbildern von Rio de Janeiro in seiner wunderbaren Lage am Meer, dem Ort, von dem aus der Künstler gewirkt hat. Hier befand sich die ehemalige Kaffeeplantage mit ihrer Kapelle, den Wohnräumen und seinem Atelier. Noch einmal wurde eindrücklich herausgestellt, in welch hohem Maße Burle Marx in seiner ausgeprägten Formensprache von der Pflanze ausging. Seine „Leuchtturmprojekte“ wurden gezeigt und erläutert, viel Ruhe nahm sich der Filmemacher aber auch für einen Gang des Künstlers durch seine Pflanzensammlung.
Hier ließe er sich anregen, jede Pflanze eröffne neue Möglichkeiten, sich auszudrücken, erklärte er im Interview in deutscher Sprache. Ihr Artenreichtum habe sich in Jahrhunderten entwickelt, sehr bewußt sei er sich, in welch hohem Grade er aus diesem Reichtum schöpfe. Bei seinen Expeditionen sei er immer wieder auf Pflanzen gestoßen, die er noch nicht kannte, und manchmal seien sie auch von der Wissenschaft noch nicht beschrieben worden. Den Zyklus des Werden und Vergehen empfinde und schätze er, künstliche Blüten und Blätter mochte er nicht. Wenn man die Vegetation gut kenne, könne man schon im voraus sagen, wie ein Garten wirke. Jede Pflanze sei eine Skulptur. Er habe viel mit heimischen Pflanzen gearbeitet, habe aber auch zu Kombinationen beispielsweise mit afrikanischen Arten nicht gescheut.
Auf die Frage angesprochen, wie sich sein Werk erhalten würde, meinte Burle Marx, ein gut geplanter Garten erhalte sich auch mit vergeichsweise geringem Pflegeaufwand selbst. Man erfuhr auch etwas über sein Engagement als Stadtrat für den Umweltschutz. Der Zerstörung der Natur wollte er entgegenwirken.
Der Film klang aus mit einem Gesang des damals siebzigjährigen Burle Marx, begleitet von seinem Bruder, einem Komponisten, in der Kapelle seines Anwesens.