Zwei Tage nach dem Ende einer Schönwetterperiode fand sich trotz mäßigem Wetters eine Gruppe zur angekündigten
DGGL Führung am 19. Oktober 2007 zum Thema „München als Isarathen“ ein.
Es ging um Stadterweiterungen Münchens zwischen 1800 und 1850, in denen zunächst Friedrich Ludwig von Sckell und Carl von Fischer, später Leo von Klenze und Friedrich von Gärtner wirkten. Zu bewältigen war das ungeheure Wachstum der Stadt aus dem Rahmen der mittelalterlichen und barocken Begrenzung hinaus sowie – besonders gefördert durch König Ludwig I. ab 1825 – ein ausgeprägtes monarchisches Repräsentationsbedürfnis, nachdem Bayern im Jahr 1806 Königreich geworden war.
Ereignisse wie die Französische Revolution im Jahr 1789, die auch auf deutschen Boden ausgestrahlt hatte, die Feldzüge Napoleons, der Wiener Kongress im Jahr 1815, dann wieder die Revolution 1848 in Deutschland zeigen die Spannbreite zwischen aufkommenden Ansprüchen der Demokraten und den restaurativen Bestrebungen der Monarchie, in der sich das Geschehen abspielte.
Bemerkenswert ist, dass wesentliche Impulse zum städtebaulichen Konzept vom Planer des Englischen Gartens Friedrich Ludwig von Sckell ausgingen. Er war es, der den Anspruch auf einen Plan formulierte, der der Stadt weit vorausschauend eine Gestalt geben sollte. Er war es auch, der auf den Gedanken eines offenen Straßenrasters für die Maxvorstadt kam, aufgespannt zwischen den Achsen der Nymphenburger Straße nach Westen und der Schwabinger Landstraße nach Norden, in deren Schnittpunkt die Residenz eine zentrale Position im Stadtgefüge erhielt. Das Schwabinger Tor wurde geschleift, stattdessen entstand der Odeonsplatz als repräsentativer Vorhof.
Carl von Fischer füllte dieses Konzept mit dem Bau klassizistischer Palais und Villen mit frei stehenden Nebengebäuden in Gärten und Parks. Am Karolinenplatz, teilweise auch an der Brienner Straße ist dieser Gedanke in Spuren noch immer zu erkennen.
Später dominierte Leo von Klenze, der seine Straßenräume nicht mit Gärten, sondern mit gebauten Fassaden begrenzt wissen wollte, wie man an der
Ludwigstraße sieht. Dieses am Vorbild italienischer Prachtarchitektur orientierte Konzept lag dem Kunstenthusiasten König Ludwig I. mehr. Er sah in den historisierenden Fassaden einen passenden Rahmen, um seinen monarchischen Anspruch zu dokumentieren. Deutlich kann man bis heute den Unterschied zwischen dem lockereren, eher an der Aufklärung orientierten Konzept am Karolinenplatz und dem restaurativ-repräsentativen Charakter der Ludwigstraße ablesen, auch wenn in beiden Fällen durch Krieg und Verkehrsplanung viel verloren gegangen ist.
Dargestellt wurde, wie eng planerisch-künstlerische Auffassungen, Geistesgeschichte sowie reale Machtverhältnisse ineinandergreifen.
(Foto Ludwigstraße: (C) 2006 by Alessandro Melazzini via flickr.com)