Am vergangenen Mittwoch, den 30. Januar 2008, fand in der
Seidlvilla in München die alljährliche traditionsreiche DGGL Veranstaltung
„Mitglieder stellen Projekte vor“ statt. Drei Landschaftsarchitekten erläuterten Planungen, die – in weiterem Sinne – unter dem Jahresthema der DGGL „Garten und Gesundheit“ zusammengestellt worden waren.
Wolfgang Barth führte durch den Abend. Leider mußten zwei von den geplanten Projektvorstellungen wegen Erkrankung des Referenten bzw. wegen unvorhergesehener Terminprobleme kurzfristig abgesagt werden. Umso mehr konnten die drei verbleibenden Projekte ohne Zeitdruck erörtert werden.
Zunächst zeigte Sabine Kühn aus dem Büro Hubert Wendler einen Wellnessgarten auf 380 qm, der sich zur Zeit in der Bauphase befindet. Ein Wasserbecken mit Kaskade dient nicht dem Schwimmen, sondern dem wohligen Bad im Freien, wie sinnreiche Zeichnungen zeigten. Der Bauherr scheute keine Kosten. Vor zehn Jahren hatte er den Garten bereits vom Büro Wendler anlegen lassen. In mehreren Ebenen, gegliedert durch niedrige Bruchsteinmauern, konnte man sich im Garten bewegen und aufhalten, als der Bauherr sich entschloss, eine sechsstellige Summe in die Hand zu nehmen, um ein gänzlich neues Konzept umzusetzen. Sabine Kühn erläuterte die Planung mit ihren Varianten.
Gerhart Teutsch zeigte Bilder von Außenanlagen im Schwabinger Krankenhaus und gab Einblicke in den Planungsprozess. Mit großer Kunst und Geduld hatte das Büro auch Änderungen, die noch nach abgeschlossener Genehmigungsplanung eingebracht worden waren, in das Konzept aufgenommen. So hatte es zu diesem Zeitpunkt noch einen Künstlerwettbewerb gegeben. Eine aquarellierte, flächig und in flüchtigen Tupfen gehaltene Darstellung des Raumes vom ersten Preis und ein Brunnen waren zu integrieren. Dies ist dem Büro Teutsch gelungen. Blütenbäume, Stauden- und Wechselpflanungen geben dem Hof eine Aufenthaltsqualität, die den Bedürfnissen von Kranken und Besuchern entspricht, ohne dabei die Ruhe der räumlichen Gesamtwirkung zu überfrachten. Kurze Wegabschnitte in den Beeten in den Randbereichen ermöglichen es den Besuchern, im Schutz der Pflanzung für einen Augenblick für sich zu sein. Eine Freifläche der Cafeteria, von berankten Pergolen überstanden, rundet den Erlebnisreichtum ab. Gerhart Teutsch verheimlichte nicht die Mühen eines solchen Entstehungsprozesses. Der später eingebaute Brunnen, ein Wasservorhang aus Rohren in Hüfthöhe, der an sich sehr fein mit den angrenzenden Pflanzungen wirkt, führt zu Problemen, da er – trotz der Warnungen des Landschaftsarchitekturbüros – zu geringe Abstandsflächen hat. In den Weg und in die Pflanzungen laufendes Wasser sind die Folge.
Prof. Ingrid Scheck schloss die Bandbreite von Überlegungen zur Gestaltung eines Gartens für Demenzkranke auf, indem sie verschiedene Entwürfe aus einem Studentenwettbewerb zu einer Wohnanlage in Eching erläuterte. Der erste Preis war an eine Lösung vergeben worden, die einfachste Raumaufteilung, jeweils eine Einheit den Wohnungen der Kranken im Erdgeschoss zugeordnet, vorschlägt, da die Kranken Orientierungsprobleme haben können. Der Bereich am Haus wurde befestigt, bereichert durch Pflanzgefäße, an die man mit dem Rollstuhl besonders nah heranfahren kann, da sie nach unten konisch zulaufen. Zur Grundstücksgrenze hin entstehen Nischen mit Sitzbänken und Hochbeeten, so dass die Pflanzen aus der Nähe betrachtet werden können. Ein Gemeinschaftsbereich ist von einer Pergole überstanden. Als Materialien wählte das Büro Schegk Klinker für den Bodenbelag, zur Abgrenzung Bambus im Wechsel als lebende Pflanze und als verbaute Stangen. Als Problem wurde benannt, dass Demenzkranke in der Regel einen hohen Bewegungsdrang haben, hier aber nur ein kleines Grundstück zur Verfügung steht (Großraum München), das aus Sicherheitsgründen abgeschlossen sein muss.
In der Diskussion wurde darüber gesprochen, dass über das Bedürfnis von Kranken in Freianlagen noch wenig veröffentlicht worden ist. Zwar gebe es Veröffentlichungen zum Thema, wenn sie aber von der Architektur ausgingen, sei in der Regel wenig zum Freiraum ausgesagt. Vieles sei im Gespräch mit der Heimleitung entstanden, und müsse noch ausprobiert werden. Angesprochen wurde auch die Frage, inwieweit man in der Pflanzenauswahl darauf reagieren müsse, dass Kranke sich möglicherweise unberechenbar verhalten.
Im Anschluss an die Vorträge konnten die Eindrücke bei einem Glas Sekt im Gespräch vertieft werden.