Von einem strahlenden, milden Frühlingstag konnte für die
Begehung des Alten Botanischen Gartens in München mit der DGGL am 16. April 2008 nicht die Rede sein. Dennoch fanden sich mehrere Dutzend Personen im Kunstpavillon ein, wo Klaus Baumler, Bezirksratsvotsitzender Maxvorstadt, LA Andreas Herrmann, Baureferat Gartenbau, und LA Engelmayer aus dem Büro Irene Burkhardt das neue Parkpflegewerk zum Alten Botanischen Garten in Entstehungsgeschichte und Aussage erläuterten. Auslöser für die Planung waren Veränderungen im städtischen Umfeld des Parks. Die Fakultäten Chemie, Pharmazie und Zoologie der LMU („Alte Chemie“) wurden verlagert, es entstanden die "Lenbachgärten", die eine hochwertige Nutzung anstreben. "Gärten“ werden in der Regel Viertel genannt, die mit Gärten nichts zu tun haben. Hoch verdichtet ist hier gebaut worden, der Bauträger musste an die Stadt Ausgleichszahlungen leisten (deren Höhe allerdings nicht öffentlich bekannt gegeben wird, wie Klaus Bäumler kritisierte). Diese Mittel setzt das Baureferat u.a. für das Erstellen von Pflegeplänen und deren Umsetzung ein, so auch im Alten Botanischen Garten.
Von der Denkmalschutzbehörde war vorgegeben worden, dass die Entwicklungsmaßnahmen sich an der Planung von von Troost aus dem Jahre 1937 orientieren sollten. Dieser hatte auf dem brachliegenden Gelände nach dem Brand des Glaspalastes – die Baubehörde ging von Brandstiftung aus – eine Zusammenstellung von einer offenen Wiese (vermutlich von der Luisenschule früher als Sportfläche genutzt), von einem Parkcafe mit Biergarten und nach Süden führender Mittelachse, vom Kunstpavillon und von einem vertieften Platz mit Neptunbrunnen komponiert. Die Wegeachsen hatten Bezüge und Blickbeziehungen zum umliegenden Stadtgebiet. Zwar ist der Park im Krieg völlig zerstört worden, in den 50er Jahren wurde er aber in dieser Form wieder aufgebaut. Von den Sckellschen Planungen waren keinerlei Spuren mehr vorhanden, an die man hätte anknüpfen können.
Andreas Herrmann zeigte anhand historischer Photos, dass der Alte Botanische Garten ursprünglich sehr viel offener war als heute. Der Baumbestand ist jetzt deutlich dichter, auch Eibenbestände in der Strauchschicht zum Beispiel beim Kunstpavillon verstellen den Blick, der Kinderspielplatz mit Wiese ist dicht abgepflanzt und eingezäunt, auch aus Sicherheitsgründen. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist ein guter Teil dieser Gehölze wegen mangelnder Pflege durchgewachsen. Ahorn, Eschen und Robinien verfälschen den geplanten Eindruck, sind aber unter Aspekten des Naturschutzes erhaltenswert. Hier hat man sich für Kompromisse entschieden, einige sollen bestehen bleiben. Eine andere Veränderung gegenüber der ursprünglichen Planung ist die Anbindung des Paltzes um den Neptunbrunnen, die Senke soll für Gehbehinderte zugänglich werden. Herr Bäumler stellte heraus, dass auch die Anschlüsse des Parks, die Eingangssituationen überdacht werden müssten, so etwa die Verbindungen zum Maximiliansplatz und vom Hauptbahnhof aus. Immerhin sei der Alte Botanische Garten das Bindeglied zwischen Bahnhof und Museumsviertel. Leicht ist der flächenfressende und laute Verkehr, der die Grünanlage umfließt, allerdings nicht zu überwinden. Viel ist schon gewonnen, wenn Wege und Achsen aus dem städtischen Umfeld an die Wegeführung im Park anknüpfen.
An der Veranstaltung hat eine Gruppe von Studenten von Prof. Dr. Michael Goecke aus Weihenstephan teilgenommen. Man hatte Gelegenheit, die Aufgabe aus Perspektive der Stadt, des freien Landschaftsarchitekten und der Bürgervertretung zu sehen. Besonders deutlich wurde, wie groß der Bedarf für einen Beitrag der Zunft zum Stadtbild wäre.