„Armulfpark und der Mobiliarkatalog der Stadt München“ hieß eine
Veranstaltung, zu der der DGGL-Landesverband Bayern-Süd eingeladen hatte. Bei strahlendem Maiwetter fanden sich am Dienstag, den 6. Mai etwa 40 Personen im Gebäude der Vivico Real Estate ein, um zunächst einmal in einem Vortragszimmer Planungsgedanken und Intentionen zu verstehen und zu diskutieren. Leider konnte Johann Georg Sandmeier, der an der Ausarbeitung des Mobiliarkatalogs in seinem Ursprung maßgeblich mitgewirkt hatte, aus privaten Gründen nicht dabei sein. Der Abend verlief dennoch, wie erwartet, reichhaltig und anregend in einer Weise, die hoffen lässt, dass die angesprochenen Themen in der einen oder anderen Form weiter bearbeitet werden.
Zunächst erläuterte Prof. Klaus Neumann nach einem kurzen Abriss der städtebaulichen Vorgeschichte die Planungsideen des Parks, der das Zentrum eines neuen Stadtquartiers mit dem Namen Arnulfpark bilden wird. Wie so oft bezeichent der Begriff „Park“ ja nicht eine Grünfläche, sondern ein ganzes, dicht bebautes Stadtquartier. Immerhin ist hier eine ausgedehnte Grünfläche als Zentrum vorgesehen. Mit der Idee, dieses Gelände durchgängig zu gestalten, konnte sich das Büro „Realgrün“ im Realisierungswettbewerb durchsetzen. „Flux“ lautete das Leitmotiv der Planung an einem Ort, der in vielfältiger Hinsicht durch Bewegung gekennzeichnet ist. Nicht nur die ungeheure Dynamik für die Stadtentwicklung auf diesem zentrumsnahen, mehrere Hektar großen Gebiet, das auch nur Teil einer gigantischen Umwidmung von Bahngelände zu offenem Bauland zwischen Hauptbahnhof und Pasing ist, führte dazu, das Fließen/Bewegung zu thematisieren. Auch der Blick auf das Bahngelände mit dem Zugverkehr legt den Gedanken nahe.
Hell sollte der Park sein, hell und übersichtlich, Leitfarben Weiß und Grün, in den Blütenstrauch- und Staudenpflanzungen Gelb. Drei der umgebenden Bebauungen im Norden, Osten und Westen sind nahezu fertig, der vierte Riegel zur Bahn hin folgt. Im Kontrast zu den hohen umgebenden Häuserblocks – in einem mehrstufigen Wettberwerbsverfahren entwickelt – wird der Park flach gehalten. Die höchste Erhebung beträgt bei einer Spieldüne 1,70 m. Eine erstaunliche Wirkung erzielt die leichte Neigung der Rasenflächen. Ihre Nutzbarkeit zum Beipiel zum Fußballspielen bleibt bei 1 % Neigung gegeben. Zu den Wegen am Rande hin aber entstehen Kanten mit merklichen Höhenunterschieden, so dass die Abgrenzung gegeben ist. Bewußt wurde der Park als neuer Ort gestaltet. Die Bäume verdichten sich – Thema Flux – von Westen her in Richtung Innenstadt. Während sie beim Alten Heizkraftwerk noch vereinzelt in der Rasenfläche stehen, bilden sie auf dem Vorplatz des Vivicogebäudes, dem Klaus-Mann-Platz, einen dichten Bestand im Raster. Durchgängig bleibt der Blick über die ganze Länge des Parks.
In einem so zentralen, inmitten dichter Bebauung liegenden Park spielt natürlich die Wegeführung eine große Rolle. Am nördlichen Rand verläuft eine Promenade in wassergebundener Decke, südlich ein Asphaltweg. Verschiebungen werden mit diagonal geführten Verbindungswegen von Nord nach Süd thematisiert.
Bis in die Details trägt die Planung die Handschrift von „Realgrün“. Die Bänke sind eine Maßanfertigung, die aber mit Latten arbeitet, die auch in einer Bank aus den Vorgaben des Mobiliarkataloges verwendet wird. Eine einfache Pflege ist dadurch gewährleitet.
Prof. Klaus Neumann ließ in seiner Darstellung durchblicken, dass es nicht einfach gewesen sei, für diesen Ort eine Ausnahmeregelung von der an sich verbindlichen Vorgabe des Mobiliarkatalogs der Stadt München zu erreichen. Nicht umzusetzen war die Idee, als Leitbaumart die Birke mit ihrem weißen Stamm und hellen Grün zu verwenden. Birken sollten in München nicht gepflanzt werden, wurde auf hoher politischer Ebene beschlossen.
Ausgeprägte Diskussionen habe es auch wegen der Beleuchtung gegeben. Nicht nur hätte man es sich gewünscht, dass die ausgewählten Standardleuchten weiß gestrichen würden - sie sind jetzt wie immer grau – auch sei die Stadt wegen der Kosten für die Verkehrsicherheit (Winterdienst), zu der sie bei beleuchteten Wegen verpflichtet ist, nicht bereit gewesen, diagonale Verbindungswege mit zu beleuchten. Nach langen Verhandlungen habe sich die Vivico Real Estate GmbH als Bauträger verpflichtet, die Kosten für den Winterdienst für den fraglichen Weg für 10 Jahre zu tragen. Überhaupt wurde deutlich, in wie hohem Maße sich die Vivico auch für die Umsetzung des Grün-Konzeptes personell und finanziell eingesetzt hat. „Hier möchte ich gern wohnen,“ war immerhin war die spontane Reaktion eines elfjährigen Mädchens auf den Arnulfpark:
In welchen Bindungen eine städtische Behörde steht, Stichwort Personalabbau, Knappheit der Mittel, rechtliche Bindungen, aber auch das gestalterische Leitbild eines Mobiliarkatalogs stellte Ulrich Rauh, Leiter der Planungsabteilung der HA Gartenbau im Baureferat München dar. Jede Stadt habe ihre Charakteristika, die sich auch in Details ausdrückten. Sie hätten einen hohen Wiedererkennungswert, man denke zum Beipiel an die Berliner Bischofsmützen.
Aufgabe der Stadt sei es, eine Linie, einen roten Faden der Gestaltung des Stadtbildes zu finden. Identität, nicht Patchwork, Zusammenhalt sollte gefördert, nicht Modeerscheinungen beliebig nachgegeben werden. Dies sei ein langfristiges und weiträumiges Anliegen. Einzelprojekte müssten sich dem unterordnen. Natürlich werde es Projekte geben, die eine Ausnahme rechtfertigten. Wenn aber die Ausnahme die Regel werde, könne dies nicht gelingen. Herr Rauh nannte eine Reihe großer Neutbauvorhaben der Stadt und machte damit deutlich, dass auch exklusive Projekte nicht per se als gesondert gehandelt werden könnten, wenn man dieses Ziel verfolge.
Der Mobiliarkatalog sei in einer hochkarätig besetzten Kommission unter Leitung von Baureferent Horst Haffner erstellt worden. Architekten und Landschaftsarchitekten hätten mitgewirkt. Ausgangspunkt sei eine zunehmende Übermöblierung der Stadt gewesen. In einer Erhebung habe man festgestellt, dass in München über 500 verschiedene Modelle verwendet worden seien. Auch wenn sie im einzelnen gut gestaltet wären, würde dies zu einem unruhigen Gesamtbild führen. Zudem sei es unmöglich geworden, die Ersatzteile für die Pflege bereit zu halten. Manche Produkte habe es mittlerweile nicht mehr gegeben, man habe dann vor der Frage gestanden, ob man die Elemente mische oder alles ersetze. Daraufhin sei die Auswahl der Ausstattungsgegenstände reduziert worden. Das Ergebnis sei verbindlich festgelegt worden.
Als zuständiger Sachbearbeiter für den Arnulfpark stellte LA Andreas Herrmann die von Herrn Neumann angesprochenen Diskussionspunkte aus Sicht der Stadt dar. Gegen die Birken hätten sich die Bürger gewehrt, die Beleuchtung sei auf den Hauptverbindungswegen ohnehin vorgesehen gewesen.
Der Duktus der Diskussion, an der sich zahlreiche Teilnehmer beteiligten, drängte auf Qualitätsentwicklung im Stadtbild. Die Frage wurde gestellt, wie Anlagen entstehen könnten, die sich baugeschichtlich orten lassen, Zeugnis des Zeitgeistes geben könnten, wenn die Vorgaben genau festgelegt wären. Selbstverständlich müsse man eine Linie in das Stadtbild bringen. Ausnahmen müssten aber möglich sein, die Kriterien dazu definiert werden. Auch wurde gefragt, warum die Innenstadt Münchens, die Fußgängerzone einer der wohlhabendsten Städte, mit Betonplatten, kaum mit Naturstein belegt wäre. Öffentliche Freiräume spielten eine große Rolle für die Identitätsfindung einer Stadt oder Stadtviertels. Es sei nachgewiesen, dass Grünanlagen mit hoher Gestaltungsqualität sehr viel weniger unter Vandalismus litten, als Freiräume ohne erkennbares Gesicht.
Man war sich einig, dass in Zeiten knapper Kassen Kompromisse gemacht werden müssten, dass aber festzustellen sei, dass der Anteil, der von Seiten der Politik für Grün bereit gestellt wird, im Verhältnis zum Gesamthaushalt unangemessen niedrig sei. Dies gelte nicht nur für Neuanlagen, sondern auch für Pflegeleistungen, deren Bedeutung für Gestaltqualität stark unterschätzt werde.
Am Ende blieben viele Fragen offen. Aber es könnten die richtigen gewesen sein. Das Thema Gestaltungssprache des Parks könnte manchem der Gäste zu kurz gekommen sein. Immerhin wurde ganz am Schluss noch die Frage gestellt, ob es denn keine Sitzplätze im Schatten von Bäumen gebe.
ZumThema Stadtausstattung aber wurde deutlich, wie komplex das Spannungsfeld vom Wunsch nach der langen, weiträumigen und stabilen Linie, dem die Vorgabe von Produkten im Mobiliarkatalog dienen soll, auf der einen Seite, der Wunsch nach Entwicklungsspielräumen auf der anderen Seite ist. Es wurde daran erinnert, dass der Mobiliarkatalog fortgeschrieben werden sollte, wie auch ursprünglich intendiert. Dafür wünscht man sich Sinn für Qualität, die es verdient, zum Standard erhoben zu werden. „Münchener Bank“ - ein hoher Anspruch. Nach Abschluss sagte jemand zu mir: „Die sind so sehr 50er Jahre, dass sie schon wieder schön sind“. Ja, manches, wo man an sich ein Fragezeichen setzen würde, hat vielleicht schon wieder Denkmalwert. Was ist Stadt? Wollen wir Neues? Altes? Was soll bewahrt werden? An welche Traditionen soll und kann angeknüpft werden? Wo muss Spielraum für neue Entwicklungen sein? Welche Berechtigung billigt man der Mode, dem Zeitgeist zu?
Der Teufel sitzt im Detail und im Umgang mit den Details zeichnen sich weitreichende Fragen ab. Ich hoffe, dass wir in der DGGL nicht das letzte mal darüber gesprochen haben. Ein Verband wie die DGGL könnte als offene Plattform für solche Fragen dienen, so meine Bilanz des Abends.