Passau – Ilz – Schönau, eine
seit langem angezeigte und zusammen mit „
Gartenkunst im Passauer Land“ geplante Exkursion konnte nun bei sonnigem Maiwetter durchgeführt werden. Wer aus München kam, wurde schon durch den Blick auf die Felder in impressionistischen Farben, hin und wieder mit mohnblumengeschmückten Feldern angereichert, eingestimmt. Der „
Wilde Mann“, das Hotel der Teilnehmer und eine Besonderheit als ein aus 4 historischen Gebäuden zusammengelegtes Haus am Rathausplatz, gab eine erste Farbe des Passau-Aufenthaltes. Vom Frühstücksraum aus hatte man einen Blick nach zwei Seiten auf die Türme der Stadt.
Spricht man soviel vom Quartier? Hier ist es passend, denn die Privatinitiative der Famile, die das Haus betreibt, passt gut ins Bild der Objekte, die wir uns unter kompetenter Führung ansahen, und auch zur Eröffnungsveranstaltung von „Gartenkunst im Passauer Land“, einer noch sehr jungen Initiative des Kulturreferates im Landratsamt Passau. Persönliches Engagement prägt alle diese Ereignisse.
Viele Führungen werden in der Passauer Altstadt durchgeführt, selten aber mit Blick auf die Pflanzen, die in den Pflasterritzen und an den alten, historischen Mauern wachsen. Frau Isolde Zahlheimer aus dem Umweltamt Passau erläuterte die Bedeutung der naturräumlichen Lage der „Dreiflüssestadt Passau“ auch für die Vielfalt der Pflanzenwelt. Donau, Inn und Ilz bringen und nehmen Arten, so dass eine einzigartige Vielfalt entsteht. Eine botanische Besonderheit ist ein winterhartes Löwenmäulchen (Antirrhinum majus), das an den alten Mauern bis spät in den Herbst hinein blüht. Im Umweltamt Passau beobachtet und fördert man solche Entwicklungen. Baugeschichtliche Erläuterungen gaben Prof. Dr. Micheal Goecke und Prof. Justus Thyroff von der Fachhochschule Weihenstephan, so etwa zur Feste Oberhaus und Feste Unterhaus, zur Giselakirche, einem Wehrturm und natürlich dem Passauer Dom.
Ein bischen Eile war erforderlich, um gerade pünktlich zur feierlichen Eröffnungsveranstaltung von „Gartenkunst im Passauer Land“ zu kommen, einem glanzvollen Abend mit über 300 Gästen im Festsaal des Landwirtschaftlichen Bezirksvereins. Landrat Franz Meyer begrüßte die Anwesenden. Gräfin Bettina von Bernadotte, Tochter von Sonja Bernadotte und Geschäftsführerin der Mainau GmbH, die die Insel Mainau bewirtschaftet, würdigte die Initiativen im Passauer Land und bot ein Zusammenwirken an. Künstlerisch eingebunden war der Abend durch das Team unter Leitung von Alois Wimmer und Manfred Högen für die kulinarische Seite (zu empfehlen: Pommeranzen-Champagner), sowie musikalisch durch das Duo der Chanson-Sängerin Anna Veit und ihrer Begleiterin, der Pianistin Ekaterina Tarnopolskaja .
Der Festvortrag von Dr. Claudia Gröschel über Johann Evangelist Fürst aus Fraundorf lässt sich in der gebotenen Kürze kaum wiedergeben. Der Aufklärer, der aus einer Bauernfamilie stammte, mit Hilfe von geistlichen Förderern eine Ausbildung im Gymnasium in München erhielt und zunächst eine Beamtenkarriere eingeschlagen hatte, bevor ihn die Not auf dem brüderlichen, heimatlichen Hof dazu veranlasste, sich der Förderung der Landwirtschaft zuzuwenden, für die er dann ein Leben lang engagiert kämpfte, wurde von der Vortragenden als „Kostbarkeit“ bezeichnet, deren Gedenken zu pflegen sich lohne.
Die zahlreichen Gäste genossen dann den milden Sommerabend, dessen Leben am Innufer und in der Altstadt die Gruppe der DGGL auf dem nächtlichen Rückweg durch die Universitätsstadt erleben konnte. Für einen der Teilnehmer erlaubte der Wirt des Scharfrichter-Hauses nächtliches Spielen auf dem Piano beim „Absacker“... wohl dem, der bei diesem Konzert dabei war.
Dreieinhalb Stunden Zeit hatte sich das Wasserwirtschaftsamt Deggendorf / Servicestelle Passau für die Begehung des Naturschutzgebietes „Halser Ilzschleife“ erbeten, und eine Route ausgearbeitet, in der Wanderung und Erläuterungsstationen sich auf das Angenehmste die Waage hielten. So traf man sich um neun Uhr als DGGL Bayern Süd mit einer Besuchergruppe aus Passau. Zunächst erläuterte Dipl.-Ing. Josef Feuchtgruber, stellvertretender Leiter des WWA Deggendorf, die naturräumlichen Gegegebenheiten der Ilz anhand einer Karte. Nicht ohne Stolz erinnerte er sich an die Bewerbung um den Titel „Fluss des Jahres 2002/2003“, bei der sich die Ilz in der letzten Runde gegen die Havel durchsetzen konnte. Interessant sei für ihn das ausschlaggebende Moment gewesen: Man habe sich für die Ilz nicht allein aufgrund der Qualität des Naturraumes entschieden – der Titel werde ohnehin nicht wegen des Zustandes, sondern wegen des Potentials einer Flusslandschaft vergeben – sondern auch wegen des Engagements der Bevölkerung.
Eine Wanderung begann; im Programm war zu einer fachlich untermauerten Führung, zum Erleben von Landschaft und Gartenkunst eingeladen worden. In ersten Stationen schärfte Dipl.-Ing. (FH) Christa Pantke den Blick für Pflanzen und Tierarten, für die Problematik von Neophyten, deren manche die heimische Flora zu verdrängen drohten, deren andere gar keine so große Gefahr seien. Sie informierte über die Gefährdung der Flussperlmuschel und erläuterte Schutz- und Förderprogramme. Biber seien im Passauer Raum gar keine Seltenheit mehr. Sie seien auch schon im Stadtgebiet beobachtet worden. Ein Erfolg sei die Wiederansiedelung der Fischotter. Noch vor wenigen Jahren seien nur vereinzelte Exemplare zu beobachten gewesen, heute könne man Bestände, die sich fortpflanzten, nachweisen.
Josef Feuchtgruber erläuterte die größte Fischtreppe Bayerns, vielleicht sogar Deutschlands, die kürzlich am Wasserkraftwerk Oberilzmühle gebaut worden sei. Man habe diese Maßnahme nach langen, mühsamen Verhandlungen mit den Stadtwerken in die Wege leiten können. 80 % der Fischarten stünden bundesweit auf der Roten Liste. Dies könne kaum mehr an der Gewässergüte liegen, die man in den letzten Jahren habe verbessern können. Man vermute die Ursache darin, dass die Fische sich nicht entsprechend Ihrer Lebensphasen in den Flussläufen bewegen könnten.
Zur Wasserqualität erfuhren die Zuhörer, dass diese wesentlich durch Indikatoren an Keimen und in der Flora und Fauna, weniger durch chemische Proben geprüft werde. Wenn man eine Probe entnommen habe, könne diese nur etwas über den momentanen Zustand des Wassers aussagen. Wenige Augenblicke später könne eine Welle von Schmutzwasser an derselben Stelle zu gänzlich anderen Ergebnissen führen. Aussagekräftiger sei die Artenzusammensetzung. Dies zeigt, wie komplex das Biotop Fließgewässer funktioniert, und wie angewiesen man auf Kenntnis biologischer Zusammenhänge ist, um es zu bewirtschaften.
Josef Feuchtgrubers Darstellung der Holztrift mit Fotos um 1900 machten deutlich, wie solche Flussläufe wirtschaftlich genutzt wurden, aber auch wie hart und gefährlich dieser Beruf gewesen sein muss. Reste von Pfeilern, von denen aus einstmals das Holz aus dem Fluss herausgeholt wurden, und ein in den Fels gehauener Stollen, durch den die Stämme getrieben werden mussten, legen bis heute Zeugnis von der Holztrift ab.
Fünf Ziele habe man sich für die Ilz vorgenommen: Verbesserung der Gewässergüte von 2 auf 1-2, Herstellen der biologischen Durchgängigkeit, Spezieller Artenschutz (z.B. Flussperlmuschel u.a.), Sicherung der Badequalität, Entwicklung als Erholungsraum.
Nach einer Mittagspause im Hacklberger Biergarten, dessen Baumbestand auch Fachleuten Neues bot, führte der Weg in den Schlosspark Schönau. Leider mussten wegen eines orgnisatorischen Missverständnisses die Teilnehmer von Seiten „Gartenkunst im Passauer Land“ eine Stunde auf das Eintreffen der Gruppe warten. So blieb ein Kreis von geduldigen Gartenliebhabern für eine informative, angenehme Führung durch Landschaftsarchitekt Michael Schwahn.
Starkes, ebenfalls geduldiges Engagement war erforderlich, um in dem von Carl von Effner in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts geplanten Park im englischen Stil Sichtachsen freizulegen, Wege anzulegen und Pflege der Wiesenflächen durch Schafbeweidung zu sichern. Angefangen hatte es damit, dass in Eigenarbeit unter einer Ahorngruppe das Buschwerk entfernt wurde. Dies löste bei den Bewohnern des Schlosses einen starken Effekt aus: man konnte unter den Kronen wieder in die hinteren Bereiche des Parkes sehen. Mitte der 90er Jahre wurde unter Leitung von Prof. Dr. Michael Goecke mit einer Diplomarbeit von Kurt Grübl und Anton Zollitsch ein nächster Schritt getan. Die Geschichte des Parks war dargestellt und erste Überlegungen zur Wiederherstellung und Pflege formuliert. Das Büro des Landschaftsarchitekten Michael Schwahn bekam einige Jahre später dann den Auftrag, ein Konzept für die weiteren Arbeiten zu erstellen. Ein Förderverein wurde gegründet, in dem er als Vorstand tätig ist. Heute stehen auch öffentliche Mittel für Arbeiten im Schlosspark bereit.
Wiesen wurden inzwischen wieder freigestellt, Solitärbaumgruppen kommen zur Geltung, dendrologische Raritäten sind wieder wahrnehmbar. Auf wieder hergestellten Wegen sind verschiedene Rundgänge möglich. Das Erleben eines englischen Parks, geplant im Auftrag einer Eigentümerin, die selbst lange in England gelebt hatte, hat in weiten Partien seine Großzügigkeit wiedererlangt, geschwungene Wiesenflächen tun sich auf, die Kunst der Bodenmodellierung kommt wieder zur Geltung.
Viel kann noch geschehen. Wenn man aber bedenkt, dass die Anfänge in der Freistellung einer Baumgruppe mit der persönlich angesetzten Handsäge liegen, so kann man sich am erreichten Ergebnis wirklich freuen. Der Park nimmt wieder Gestalt an. Und immerhin werden inzwischen auch öffentliche Mittel für die professionelle weitere Entwicklung unter Leitung von Michael Schwahn bereitgestellt.
Viel kann aus persönlichem Engagement entstehen. Auch unter diesem Gesichtspunkt war die Begegnung mit „Gartenkunst im Passauer Land“, einer Initiative des Kulturreferates im Landratsamt Passau, namentlich des Kurators Hermann Scheuer und der Kunsthistorikerin Dr. Claudia Gröschel, aber auch die Begegnungen bei den Ortsterminen ein Gewinn für den DGGL Landesverband Bayern Süd.
(Foto: Isolde Zahlheimer)