Am späten Nachmittag des 18. Juni traf sich eine Gruppe von Fachleuten am Bolzplatz, dem als „Jungenspielplatz“ bezeichneten und von einem Hügel vom „Mädchenspielplatz“ getrennten Bereich im Westen des
„Ackermannbogens“. Der DGGL-Landesverband Bayern-Süd
hatte eingeladen, die an der Planung beteiligten freien Landschaftsarchitektinnen LA Zaharias und LA Rita Lex-Kerfers, beide Preisträgerinnen des städtebaulichen Ideenwettbewerbs (2. und 1. Preis) und an der Realisierung beteiligt, sowie von Seiten der Stadt LA Wolfgang Mesenich, Planung Nordwest HA Gartenbau und die Projektleiterin Nicole Preußner, waren bereit, die Entstehungsgeschichte des neuen Stadtquartiers zu erläutern.
Zunächst sagte Wolfgang Mesenich etwas über den Stellenwert des Pojektes innerhalb des Stadtgestaltung Münchens. Die 49 ha große Konversionsfläche profitiere von der Nähe des renommierten Schwabing und der unmittelbaren Nachbarschaft des Olympiaparks. Es sei eines von vielen Großprojekten der Stadt München, die als eine der wenigen noch wachsenden Stadte ein „Labor“ für die Umsetzung neuer Konzepte sei.
Der Olympiaberg sei noch aus einem Schuttberg, den Folgen des 2. Weltkrieges entstanden. In den 70er Jahren habe eine Wende gegeben. Ökologische Ziele seien in den Fokus gerückt, für das Stadtwachstum die Devise „kompakt, urban und grün“ ausgegeben worden. Solche städtebaulichen Ziele seien anhand dieses Projektes feinjustiert worden. Die hohe Akzeptanz schlage sich z.B. darin nieder, dass eine gute Anzahl von Verantwortlichen selbst den Ackermannbogen bewohne. Es gebe genossenschaftliche Bauten, was zwar mit einem hohen Aufwand an Koordinationsleistungen verbunden sei, aber auch zu einer hohen Identifikation und zu Nachbarschaftsbildungen führte. Gabriella Zaharias, die mit der Planung und Umsetzung des westlichen Parkteils betraut war, berichtete von den Herausforderungen, die es mit sich bringt, wenn ein Erdwärmespeicher nicht mit dem Stand der Technik, sondern nach Stand der Forschung eingebaut, mit Erde überdeckt und auf engem Raum zu einem Rodelhügel gestaltet werden soll. Statik, Isolierung, Bodenmechanik, Bedenken der ausführenden Firmen, Gutachten von Forschungsinstituten, Koordinierung aller Beteiligten, Haftungsfragen mögen als Stichwort an dieser Stelle genügen. Immerhin – das Ergebnis lässt sich sehen und nutzen und die Probe hat gezeigt: der Schnee bleibt hier ebenso lang und länger liegen als im Umfeld. Die von Sonnenkollektoren auf den Dachflächen der Häuser gesammelte Wärme kann also gehalten werden, kein „beheizter Rodelhügel“. 400 Haushalte werden so klimafreundlich mit Strom versorgt. Die Bodenmodellierung funktioniert gleichzeitig als Lärmschutz zur Ackermannstraße und nimmt gestalterisch Bezug zum Olympiaberg.
Eine weitere Bodenmodellierung im Norden dient als Sukzessionsfläche und Trockenbiotop. Wolfgang Mesenich hob hervor, wie wichtig der Dialog mit dem Naturschutz auch für solche Projekte sei, in denen zunächst Nutzung und Gestaltung im Zielfeld der Überlegungen stünden.
Am Fuß diese Hügels liegt eine integrierter Kindergarten, in dem behinderte Kinder mit nicht Behinderten gemeinsam spielen können. Er wurde im Büro von Rita Lex-Kerfers geplant, die an dieser Stelle das mit dem 1. Preis ausgezeichnete städtebauliche Konzept erläuterte. Eine Mischung in Nutzung und Bauform, der Bezug auf das Straßenraster von Schwabing sowie eine langgestreckte Wiese als Freifläche im Zentrum, die den Blick zum Olympiaturm freihält, prägen den Entwurf – Architekt: Christian Vogel. Bei der Verteilung der Baumassen, aber auch bei der Wegeführung spielte der Baumschutz eine große Rolle.
Eine Hauptwegeverbindung von Ost nach West zwischen Schwabing und einem Wohngebiet an der Dachauer Straße sollte sich als verzweigtes System in der Formgebung an militärische Tarnmuster, in der Positionierung an der Stellung der Bäume orientieren. Ökologische Ziele schlugen sich auch in einem Regenwasserrückhaltekonzept nieder, mit dem das Büro beauftragt wurde. Umgesetzt wurde davon eine Fläche, die wiederum in Fachkreisen in Diskussion kam, da sie nicht den Bewohnern unmittelbar zur Verfügung stehe, aber eine erhebliche Fläche verbrauche. Eine Idee, den Anwohnern an anderer Stelle, nämlich der zentralen Wiesenfläche folgend, eine Promenade mit höhenversetzten Bereichen und Staudenpflanzungen anzubieten, war leider nicht umsetzbar. Man habe am Bedarf für ein solch urbanes, repräsentatives Element an dieser Stelle gezweifelt und wohl auch die Kosten gescheut.
Alle Beteiligten nannten eine Aufteilung der Flächen in verschiedene Bebauungspläne als einen wesentlichen Faktor dafür, dass die Umsetzung langwierig und mitunter mühsam sei. Die Grenzlinien zögen sich zum Teil mitten durch an sich zusammenhängende Grünflächen. Verordungsdichte könnte auch der Grund für eine Dichte der Baumpflanzungen zwischen den Zeilen sein, die für die Anwohner besonders der unteren Geschosse sicher einmal zum Problem werden wird. Und dennoch: ökologische Gesichtspunkte, nachbarschaftliches Engagement, eine Fülle von Ideen und Idealen führen dazu, dass der Ackermannbogen sich als Wohnviertel mit hoher Akzeptanz etabliert hat und hoffentlich in den letzten Bauabschnitten weiter entwickelt. Im Nachbarschaftscafé „Rigoletto“ klang der Ortstermin des DGGL-Landesverbandes Bayern-Süd aus, ein guter Teil der rund 30 Teilnehmer blieb auf ein Glas Bier.