München-Haidhausen – eine seit langem vorbereitete Führung des DGGL Landesverbandes Bayern Süd fand am frühen Abend des 16. Juli mit rund 30 Teilnehmern statt. LA Christina Menzebach-Füss, die in den 70er Jahren, in der Zeit als der Wert des kulturellen Erbes Haidhausens erkannt wurde und das Städtebauförderungsgesetz eine Basis für die Sanierung des Stadtteils lieferte, in der Eggernstraße gelebt hat und persönlich mit dem Stadtteil verbunden ist, hatte die Idee zum Thema in die DGGL Arbeit eingebracht. Es interessierte sie, wie sich der Stadtteil inzwischen entwickelt hat. So viel Neues sei entstanden. Unsere ersten gemeinsamen Wege durch den Stadtteil haben wir im Frühjahr 2007 durchgeführt. Dabei haben wir vieles entdeckt. Neue Wohnanlagen mit durchgängigen Höfen, deutlich in größerem Maßstab geplant, Gemeinschaftshöfe, die öffentlich zugänglich waren, aber einen eher privaten Charakter hatten, private gestaltete Höfe oder auch einfache Sitzplätze, Bierbank oder runder Tisch mit zwei, drei Stühlen unter einem Baum, vielleicht auch nur in einer Hofeinfahrt. Wo früher ein erheblicher Mangel auch an Grünflächen war – noch in den 60er Jahren galt Haidhausen als Glasscherbenviertel – konnte heute ein Rundweg angeboten werden, in dem in kurzen Etappen allein in Althaidhausen 12 bemerkenswerte Anlaufpunkte verschiedenen Charakters gezeigt wurden. Mit viel Glück hat der DGGL Landesverband Bayern Süd dazu einen sonnigen, nicht zu heißen Tag zwischen zwei ebenso bemerkenswerten Regenfronten getroffen.
Der Charme von Haidhausen, der das Stadtviertel heute zu einem der begehrtesten Wohnstandorte Münchens macht, hängt sicher nicht unwesentlich daran, dass die von der MGS, der Münchener
Gesellschaft für Stadterneuerung, eingeteilten Blöcke einzeln bearbeitet wurden. Das 1973 verabschiedete Bayerische Gesetz für Denkmalpflege und das nicht zufällig gleichzeitig einsetzende Bewusstsein der Bewohner für den Wert der verbliebenen Herbergshäuser und Mietshäuser aus der Gründerzeit bildete die Basis für einen vergleichsweise behutsamen Umgang mit der Substanz. „Was so lange gebraucht hat, um die Segnungen der Moderne zu erhalten, wäre um ein Haar von den Übeln der Moderne vernichtet worden“, so die Worte des damaligen Oberbürgermeisters zur Einweihung des im letzten Augenblick vor dem Abriss geretteten Üblackerhäusls (Preysingstraße 58), in dem sich heute ein Museum befindet, in dem man die beengten Lebensverhältnisse der Herbergshäusern in zwei Räumen nachempfinden kann. Heute ist Haidhausen ein Szeneviertel für gehobene Einkommensschichten. Mancher mag die mit dem Wandel verbundenen Verluste bedauern - sicher ist auch in der Bausubstanz manches verloren gegangen, wovon wir heute nicht mehr wissen, viel ist aber auch erhalten worden. Dass dabei die entstandenen Grünflächen einen wichtigen, vielleicht sogar entscheidenden Beitrag zur Lebensqualität darstellen, darf man wohl dem, was man in Haidhausen sehen und erleben kann, entnehmen.
Der Rundgang war als offener Planerspaziergang konzipiert. Dankenswerter Weise erklärten sich 4 LandschaftsarchitektInnen und ein Architekt des Vereins „Urbanes Wohnen“ bereit, Projekte zu erläutern, die von ihnen geplant worden waren. LA Klaus Wittke zu einer Neubauanlage, LA Almuth Boedecker zu einer Kinderkrippe in der Kirchenstraße, Architekt Weber zu zwei Höfen in der Kirchenstraße bzw der Preysingstraße, LA Stier zu einem privaten Hof in der Eggernstraße, LA Brigitte Golling zu einem Hof von Curtis&Curtis am Wiener Platz, der besonders durch seine Staudenpflanzung auffiel.
Beeindruckt waren die Teilnehmer auch von den eigenen Intiativen von Bewohnern, so etwa von einem Hof eines Ehepaars, das in den 60ger Jahren zu den ersten gehörte, die sich entschlossen, ein zu diesem Zeitpunkt von 5 (!) Parteien genutztes Haus zu dem ihren auszubauen. Der Hof ist ganz in Grün- und Weißtönen gehalten. Immer wieder schön wirken die Münchener Platten, 20/20 Klinkerplatten, als Bodenbelag.
Einige Teilnehmer ließen den Abend im Biergarten ausklingen, wo gerade noch gegessen und getrunken werden konnte, bevor ein ordentlicher Regenguss ein Schauspiel vitaler Fluchtreflexe lieferte. Leider war es inzwischen zu dunkel, um die unter roten und blauen Schirmen gedrängten Menschengruppen im leeren Biergarten zu fotografieren. Auch ein Freiraumerlebnis.