Am Samstag, den 11. Oktober 2008 konnte eine
Radtour an der Isar stattfinden, zu der DGGL Landesverband Bayern-Süd eingeladen hatte. Bei zunächst kühler Hochnebelwetterlage, gegen Ende bei sonnigem Herbstwetter erlebten die Teilnehmer das Isartal mit seinen Veränderungen, die sich mit der Umsetzung des Isarplans in vier von fünf Bauabschnitten seit 2001 ergeben haben. Dipl.-Ing. Michael Brunner von Seiten der HA Gartenbau der Stadt München und der freie Landschaftsarchitekt Winfried Jerney erläuterten die Baumaßnahmen, die inzwischen international beachtet werden. Ausgelöst von Überlegungen zum Hochwasserschutz wurde das Mittelwasserbett zwischen Wittelsbacher Brücke und Großhesseloher Brücke von 50 auf 90 Meter erweitert. Dem Fluss wurde, teilweise auf Kosten von früher angelandeten weiten Wiesenflächen, Breite zurückgegeben, in der er sich annähernd wieder in Gestalt eines Wildflusses bewegen kann. Während sie früher als Kanal, von Weidengehölzen begleitet, durch die Wiesen zog, ist sie heute wieder erlebbar.
Die Ufer allerdings sind zwar abgeflacht und optisch an die für Gebirgsflüsse typischen Kiesbänke erinnernd gestaltet, sind im Untergrund aber befestigt, so dass die Dynamik auf begrenzte Bereiche beschränkt ist. Von der Innenstadt zur südlichen Stadtgrenze Münchens hin wird dabei der naturnahe Eindruck gesteigert. Während der Übergang zum Wasser an der Wittelsbacher Brücke in Natursteinstufen gestaltet wurde, was die Bevölkerung gern nutzt, erstrecken sich weiter im Süden weite Kiesbänke, die im sonnigen Herbstwetter einen beeindruckenden Kontrast zu den Herbstfarben der Wälder an den Isarhängen bildeten.
Für die Erhöhung des Dammes wählte man beim Tierpark ein aufwändiges Verfahren – eine Betonwand wurde in den vorhandenen Damm eingebracht – um den Baumbestand zu erhalten. Weiter im Süden fiel die Entscheidung zugunsten eines breiteren Dammes, dem einige Bäume zum Opfer fielen. Auf diesen Dämmen wurde im Anspritzverfahren autochtones Saatgut eingebracht. Die Bevölkerung, die sich anfangs gegen die Baumfällung gewehrt hatte, hat die Anlage gut angenommen. Der Damm und die Öffnung des Raumes werden heute durchaus als Gewinn wahrgenommen.
Nicht nur ein ökologischer, sondern auch ein optischer Gewinn und ein Gewinn für die Erholung sind auch der Einbau von Fischtreppen und Sohlschwellen, die von Fischen durchwandert werden können. Dazu mussten eine Menge Erfahrungen gesammelt werden: Wie groß müssen die Ruhebecken sein, damit sie nicht nach kurzer zeit von Geschiebe zugesetzt werden, wie müssen die Strömungsverhältnisse sein, damit die Fische den Aufstieg finden? Forschung und „learnig by doing“ sind heute auf einem Stand, dass man mit baulichen Mitteln messbare Verbesserungen erreichen kann. Die Artenvielfalt hat in der Isar nachweislich zugenommen, wenn auch die Populationen noch nicht sehr groß sind.
Was die Belebung der Isarauen und Ufer durch Erholungssuchende betrifft, so sind sie auch dem Laien unmittelbar sichtbar. Selbst im kühlen Herbst spielten Kinder bei der Fischtreppe auf Höhe des Tierparks am Wasser, im Sommer herrscht hier, und nicht nur hier, wenn man beispielsweise an den Flaucher denkt, der als Teil Münchens zum Bild der Stadt gehört, reges Leben. Die Isar mit ihren Auenflächen, früher als Wildfluss gefürchtet und bis ins 19. Jahrhundert vor den Toren der Stadt gelegen, verläuft heute nahe des Zentrums einer Großstadt und bietet einen wichtigen zusammenhängenden Erholungsraum. Entlang des Flusses kann man im Grünen die Stadt von Süden nach Norden durchwandern.
Die Baumaßnahmen des Isar-Plans geben ihr wesentliche Züge ihres früheren Gesichtes zurück. Gleichwohl handelt es sich um ein an der Naturerscheinung orientiertes Bauwerk, das die ungeheure Dynamik der Hochwasser kontrolliert aufnehmen muss. Innerhalb dieser Grenzen erhält der Fluss aber neue Spielräume. Nicht immer werden die Folgen beispielsweise von Auspülungen beseitigt. Das Wasserwirtschaftsamt entscheidet hier über Toleranzen.
Im 19. Jahrhundert wurde der Fluss kanalisiert, die Baumaßnahmen richteten sich auf Landgewinnung mit Bunen aus – den Verfahren der Landgewinnung am Meer vergleichbar. Die weiten Wiesen nördlich der Wittelsbacher Brücke beispielsweise sind ein Ergebnis dieser Arbeiten. Sie haben, so auch die Planer, durchaus ihren Reiz. Manchmal sei die Abwägung gerade in dicht besiedelten Stadtbereichen nicht leicht. Man habe intensiv über die Leitbilder diskutiert. Dass es Flächen wie den Flaucher schon gab, sei sicher hilfreich gewesen, um die Idee der Umgestaltung in den politischen Raum zu vermitteln. Herr Jerney hob den Beitrag der Landschaftsarchitekten hervor, die in den Wasserwirtschaftsämtern ein Umdenken, eine Bereitschaft, dem Fluss Bewegungsspielräume zurückzugeben und auch ökologische Gesichtspunkte zu berücksichtigen, befördert hätten.