Der DGGL Landesverband Bayern Süd hatte für vergangenen Samstag, den 28. Juli 2007, zu einer Begehung des
Landschaftsparks München Riem eingeladen. Am ersten Ferientag der bayerischen Schulferien fand sich eine Gruppe von ca. 10 Fachleuten ein, um den von von
Gilles Vexlard gestalteten Landschaftspark München Riem im täglichen Gebrauch zu beurteilen.
Herr Brunner von der Stadtverwaltung München - HA Gartenbau - und Landschaftsarchitekt
Heiner Luz, in dessen Büro das Projekt seit über 10 Jahren bearbeitet wird, führten die Teilnehmer des Landesverbandes Bayern-Süd der DGGL.
Herr Brunner zeigte ein umfangreiches Dokument, das Parkpflegewerk für München Riem, aus dem Büro Heiner Luz. Darin sind erforderliche Pflegeleistungen detailliert aufgeführt. Mit seiner Hilfe ist es gelungen, Mittel in Höhe von ca. 1 Million Euro bereitzustellen. Der Pflegeplan beinhaltet auch die gestalterischen Ideen des Planers, so dass auch spätere Generationen, die nicht mehr unmittelbar mit den Gedanken im Entstehen des Parks vertraut sind, in seinem Sinne pflegend gestalten können. Herr Brunner stellte heraus, dass Parkpflegewerke zunehmend üblich werden.
Die Kraft des städtebaulichen Entwurfes des Stadteils Riem beruht, so Heiner Luz, wesentlich auf der Verzahnung der Grünflächen. Das Büro Valentien + Valentien hatte sie eingebracht.
Zum Park selbst erinnerte Heiner Luz: 1991 gewann Gilles Vexlard den Wettbewerb zum Park in Riem, dessen Dimensionierung ihm eine wichtige Funktion für die Frischluftzufuhr der Stadt ermöglicht. Die Lage der Waldmassive unterstützt den Luftfluss. Mit seinen Wiesen greift der Planer gekonnt die landschaftlichen Bedingungen den Charakter der Landschaft im Übergang von zwei Landschaftsräumen auf: Weite, Kargheit kommen mit Charme zum Ausdruck. Ein Mittel der Gestaltung ist dabei, ganz französisch, die Modellierung der Wiesenflächen. Zwei Jahre Entwicklung machen sich dort jetzt schon bemerkbar.
Die eng gepflanzen Bäume im Raster von drei mal drei Metern sollen nach dem Willen des Planers nicht durchforstet werden, sondern sich selbst entwickeln. Mit Ausnahme der Ränder, die geschlossen erhalten bleiben sollen, würde es nicht stören, wenn im Innern der Massive Lichtungen entstünden. Die Wiesen wurden von Rüdiger Hase angelegt. Bewährt habe sich ein Substrat aus 60 % Kies, 30% Rotlage (Kies/Humus) und 10 % Humus. Ausgesät habe man nur 3 g/qm, was sich mit einer Entwicklungszeit von 3 Jahren bewährt hat. Akeptanzarten wie Klatschmohn und Margarite haben geholfen, die Bevölkerung zu gewinnen. Für die Pflege der Wiesen mit ihren Böschungen hat die Stadt eigens eine spezielle Maschine angeschafft. Sie sind wenig verschmutzt, so dass das Mähgut sogar für Pferde genutzt oder zu Pellets gepresst und dann verheizt werden kann.
Die bekannte Mauer und Achse, während der BUGA kontrovers diskutiert, scheinen sich inzwischen gut eingefügt zu haben und auch vom Publikum angenommen zu werden. Die Mauer wurde als "Tisch", "langer Thresen" bezeichnet. Nach wie vor fehlten aber die Endpunkte an den Achsen. Ein Einfamilienhaus sei für diese Dimensionen zu wenig; als U-Form, die die Häuserblöcke einschließt, wie von Vexlard gedacht, wird sie nicht wahrgenommen. Als Trennung zwischen einem intensiv und einem extensiv genutzten Bereich funktioniert sie hingegen gut.
Kunst findet sich in Riem eigentlich nur an der Mauer. Ursprünglich waren anstatt der Plaketten mit Landschaftsreliefs aus aller Welt poetische Beiträge zum Thema Garten gedacht gewesen, was sich allerdings wegen zu berücksichtigender Urheberrechte und hoher Kosten nicht hatte verwirklichen lassen. Man hat den Eindruck, dass Vexlard den Park als eigenes Kunstwerk hat stehen lassen wollen. Anfänglich vernehmbar kritisiert, ist der Park inzwischen mehrfach ausgezeichnet worden und wird in einem neuen Merian-Heft "München" einen eigenen Beitrag bekommen.
Das Wasser im Badesee hat nach wie vor seine türkise Farbe. Mit einem Unterhaltungsaufwand von 140.000 Euro im Jahr ist er deutlich billiger als ein Freibad, für das es im Stadtteil ein Versorgungsdefizit gibt. Das erwartete Parkplatzproblem ist nicht eingetreten; viele Besucher kommen mit dem Fahrrad. Die Staudenpflanzungen am Rand, Tausende von aspektbildenden Iris, Minze und anderen Wildstauden, haben sich bewährt. Sie werden einmal im Jahr gemäht; die Mulchschicht aus gebrochenem Kies 11/16, 3 cm stark, hat gut funktioniert.
Vielen Dank Herrn Brunner und Herrn Luz für eine beeindruckende Führung, die viel vermittelt hat über Entstehung und Pflege, last not least, eines solchen Parkes.
Abschließend besuchte die Gruppe den von Olga Böhler-Wetsch geplanten Spielplatz, der als ersten Preis des von der DGGL ausgelobten Ulrich-Wolf-Preises beigetragen wurde. Heiner Luz würdigte seine Vielfalt und Originalität, auch wenn sein Büro etwas Mühe mit der Übernahme der Ausführungsplanung gehabt habe.