Etwa 35 Personen fanden sich am 29. Januar 2009 in der
Seidlvilla ein, um in der Reihe
„Mitglieder stellen Projekte vor“ Arbeiten von vier Landschaftsarchitekten kennen zu lernen. LA Wolfgang Barth hatte die Veranstaltung vorbereitet, mit der der DGGL Landesverband Bayern Süd traditionell das Jahr eröffnet.
Zunächst stellte LA Adelheid Gräfin Schönborn die Außenanlagen in Schloss Elmau vor. In wunderbarer Berglandschaft liegt das heutige Fünf-Sterne-Hotel mit etwa 200 Betten. In dieser Umgebung können Kinder sich gefahrlos bewegen, während ihre Eltern sich auf den Terrassen ausruhen. Wegen seines kulturellen Angebotes von Konzerten über Vorträge und Kinderworkshops bis hin zu Wellnessprogrammen nannte Gräfin Schönborn das Haus eines der schönsten Bayerns. Sie gab einen Abriss seiner bewegten Geschichte bis in unsere Tage, in denen seine Besitzer es zu einem Kultur- und Erlebnishotel mit Zimmern unterschiedlichster Preiskategorien ausbauen.
Nach einem Großbrand im Jahr 2005 waren umfangreiche Neubaumaßnahmen erforderlich geworden. Der Architekt Sattler aus dem Büro Hilmer, Sattler + Albrecht plante den Wiederaufbau des Schlosses mit Nebengebäuden wie Literatur- und Badehaus. Im Außenraum entstanden Terrassen, auch in Höhenabstufungen in sogenannten „Eselstreppen“, zuammen mit Stütz- und Sitzmauern aus hochwertigem Naturstein. Aus dem Wunsch nach einem Wasserbecken für den Vorplatz entwickelte Gräfin Schönborn einen 30 Meter langen Wassertisch. Kinder nehmen die mit einem Wasserfilm benetzte Naturstein-Fläche gern an, ein Sicherheitsrisiko, wie es sonst auch der kleinste Teich darstellt, besteht nicht. Wellness im Wasser kann man auf dem Dach des Badehauses erleben, ein erhöhtes Schwimmbecken mit Bergpanorama.
In einer solchen Umgebung spielen Pflanzenauswahl und Naturschutz eine zentrale Rolle. Nach genauen Bodenanlysen und mit autochtonem Saatgut wurden
Buckelwiesen künstlich angelegt. Jahrhunderte habe es gedauert, bis ihre naturgeschützten Vorbilder sich entwickelt haben, aber den Versuch sei es wert, so habe man entschieden – und so hörte man Zustimmung aus dem Publikum.
LA Gunhild Brandhoff stellte den Stadtpark in Ronneburg vor. Ronneburg sei einer der beiden Orte in der zweigeteilten BUGA 2007 Gera-Ronneburg gewesen, dieser Park sei aber unabhängig von der BUGA GmbH gebaut worden. Schon früher habe es hier einen Stadtpark gegeben. Die Teiche und Wasserläufe seien aber in Folge des Tagebaus trocken gefallen, die Fläche fast ganz verwaldet, dunkel und wenig genutzt gewesen. In einem ersten Schritt analysierte das Büro Brandhoff und Voß den Pflanzenbestand und stellte vorhandene Strukturen, aber auch potentielle Räume und Blickachsen fest. Daraufhin habe man eine Birkenallee freigestellt und Solitärbäume wie zum Beispiel eine Trauerweide am Wasser herausgearbeitet. Mehr als 500 Bäume seien gefällt worden. Eine Raumfolge mit Blickbeziehungen zum Schloss und zur Kirche entstand, deren Abschluss eine Bodenmodellierung zum Rodeln mit Aushub aus den verlandeten Teichen bildet. Beiden Teiche wurden wieder hergestellt, einer mit einem Bootssteg und einer Fontäne (auf Wunsch des Bürgermeisters) ausgestattet. Heute werde der Park mit abgeflachten Uferzonen, Rundweg, Zirkus- und Stadtplatz an einem denkmalgeschützten Gebäude wieder gern genutzt. Den Blick auf eine fast 5 Meter hohe Stützmauer am Stadtplatz zur Straße hin pufferte die Planerin mit einer vorgelagerten, geschwungenen Sitzmauer, die sich aus zwei von einer thüringischen Firma eigens gefertigten Elementen zusammensetzt.
Anfangs habe es in der Bevölkerung erheblichen Widerstand gegen die Baumfällungen gegeben. Mit Plänen allein habe man nicht überzeugen können. In der kleinen Stadt seien die Stadträte aber sehr engagiert gewesen. Vor Ort habe man sich verständlich machen können, wie wichtig freie Räume und Blickbeziehungen seien, und Bäume, die gefällt werden sollten, gemeinsam gekennzeichnet.
Frau Brandhoff erinnerte an die schwierige Lage, in der viele ostdeutsche Städte seien. Die Einwohnerzahl in Gera sei von 130.000 auf unter 100.000 gesunken. Allein durch Fördermittel sei das Projekt möglich geworden. Einen Pflegeauftrag habe sie nicht, aber es sei ein im Rahmen des Auftrages ein Pflegekonzept mit erarbeitet worden. Der Park befinde sich, wie sie bei ihren Besuchen gesehen habe, in einem erfreulichen Zustand. Das gelte auch für die Gräser- und Staudenpflanzungen, was dem Engagement der dortigen Stadtgärtner zu verdanken sei.
LA Heiner Luz hielt einen wahrhaft kollegialen Vortrag zum Projekt „Woodland“ in Göteborg, indem er Einblick in den Planungsprozess gab. Für die dortige Gartenschau 2008 sei ihm in einem internationalen Team ein Bereich mit ausgedehnten Staudenpflanzungen übertragen worden. Zunächst erhielt man einen Eindruck des skandinavischen Arbeitsstils. Heiner Luz zeigte Bilder, wie das Team im Garten zusammen saß, oder auch Handskizzen von Fortschreibungen der Ausführungsplanung, die durchaus auch beim Bier in einem der in den zahlreichen Lokale entstanden seien. Dann zeigte er, wie seine Staudenpflanzung enstanden ist. In Kenntnis der Standorte und deren natürlichen Pflanzengesellschaften trägt er zunächst – in Anlehnung an Kataloge in alphabetischer Reihenfolge – Arten zusammen, die überhaupt in Frage kämen. Dann lege er Leitstauden und Aspekte fest, um die sich weitere Arten gruppieren. Wo im Frühjahr Blau dominiere, könne im Herbst Gelb vorherrschen. In der weiteren Ausarbeitung würden die Arten nach Frühling, Sommer, Herbst und Winter geordnet und maschinell in Listen geschrieben. Räumliche Vorstellungen entstünden in Handskizzen (manchmal könne er sie selbst nicht mehr lesen). Eine harte Arbeit sei die Umsetzung in Pläne, die auf der Baustelle handhabbar und reproduzierbar seien. Ohne die Hilfe seiner Mitarbeiter, die seine Konzepte in CAD ausarbeiten, wäre ihm das heute gar nicht mehr möglich.
Auf allen Plänen würden die Leitgedanken der Pflanzung zusätzlich zur Legende sprachlich dargestellt. Dennoch sei es unabdingbar, dass der Planer selbst vor Ort seine Ideen umsetze. Zunächst lege er die Verstaubenden aus, dann werde Art um Art aufgefüllt. Schwierig sei es, wenn einzelne Arten nachgeliefert werden müssten, das erschwere die Gestaltung mit den Händen, denn die Lücken verzerrten das Bild. Wenn (möglichst) alle Pflanzen liegen, könne mit den Gärtnern in der Kolonne gepflanzt werden. Hier habe selbst der Gartendirektor mit angefasst. 13 Stauden pro qm seien gepflanzt worden. Am Ende dürfe man die gemeinsame Feier nicht vergessen.
Spannend sei für ihn die Frage gewesen, ob sich der Aspekt in diesem Land mit so kurzen Vegetationsperioden schnell genug schließe. Nach einem Jahr aber hätte sich das Bild bereits sehr verändert. Eine nahezu geschlossene Vergetationsdecke war entstanden, wie er zeigen konnte.
„No signal“ - dieser ebenso dezente wie gefürchtete Hinweis auf blauem Grund erschien beim vierten Projekt, leider fand der Beamer keinen Kontakt zum Laptop. Es wurde dann in kleinem Kreis am Bildschirm gezeigt, die Technik hat ihre Tücken, das Interesse aber ließ sich nicht bremsen. Intensiv konnte ein Schwimmteich mit Pergolenlandschaft im Frankenland von LA Wolfgang Barth besprochen werden, während der Abend bei einem Glas Prosecco in den Räumlichkeiten der Gründerzeitvilla ausklang.
Quelle Bild Schloss Elmau: http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Schloss_Elmau_2007.jpg