Vom 22.-25. November 2007 fand der 3. Türkische Landschaftsarchitekturkongress unter dem Motto „Ziele, Strategien und Politik“ in
Antalya/Türkei statt. Geschätzte 500 Teilnehmer von Universitäten, Behörden und Firmen fanden sich hierzu im
Topkapi Palast-Hotel ein. Darunter nicht nur Landschaftsarchitekten, sondern auch zahlreiche Stadtplaner, Architekten und Studenten.
Der Kongress wurde vom Berufsverband der Landschaftsarchitekten, 1966 als Verein gegründet und 1994 vom Türkischen Parlament offiziell zum Landesverband ernannt, organisiert. Für seine etwa 3000 Mitglieder kümmert sich der Verband aktiv um Berufsrechte, Landschaftspolitik sowie neue Perspektiven. Im Jahre 1968 wurde in der Türkei der erste Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur an der Universität von Ankara, Fakultät für Agrarwissenschaft, eingerichtet – heute sind es etwa fünfzehn.
Ziel des dritten Landschaftsarchitekturkongresses war die Diskussion neuer Strategien und Konzepte, neue Herausforderungen in der Landschaftspolitik, der Öffentlichkeit und Landwirtschaft zu definieren und zukunftsorientierte Pläne in der Landschaftsarchitektur und –Planung darzustellen.
Im ersten Themenblock „Tourismus und Küstenlandschaften“ hielten die Sprecher an Hand zahlreicher Beispiele Vorträge über Tourismusprojekte und Landschaftsplanungen an Schwarzmeer- und Ägäisküste, landschaftsökologische Wirkungen und Gestaltung durch Bepflanzung.
Bei „Urbanlandschaften und Stadtidentität“ wurden verlorene Werte und Identitäten in den Großstädten, urbane Renaissance in Anatolien, Wahrnehmung des Kulturerbes in der Landschaft und nachindustrielle Parkanlagen mit konkreten Projekten verknüpft. In Zukunft erhalten Landschaftsarchitekten bei Planungsmaßnahmen der natürlichen und kulturellen Schutzräume eine wichtige neue Aufgabe.
„Naturschutz“ ist auch in der Türkei ein wichtiges Thema: Städtische Biosphären als neues Naturschutzkonzept, Landschaftsplanung und Architektur in der Naturschutzzone, Naturpflege und –Management waren nur einige der Vortragsthemen. Vertieft widmete man sich dem Naturschutz in der kommunalen Entwicklung und der Umsetzung der Anforderungen aus EU-Vorgaben in neue Regelungen und Planungsaufgaben insbesondere in der Landschaftsplanung.
Weiterer Themenschwerpunkt war die Vorstellung der europäischen Landschaftskonvention. Diese unterstützt die Verwaltung, den Schutz und die Gestaltung von Landschaften und organisiert europäische Zusammenarbeit auf diesem Gebiet. Es wurde erläutert, wie sich Anwendungsgebiete, Maßnahmen und Wirkungen nach Erstellung der Konvention weiter entwickelt haben. In diesem Zusammenhang wurde betont, dass die vielfältigen Landschaften mit reichen natürlichen und kulturellen Ressourcen sorgfältig definiert und nachhaltig geschützt werden sollen.
Bei der „sektoralen Entwicklung“ wurde die Mediennutzung in der Landschaftsarchitektur, Akkreditierung und Qualität, Fachausbildung, neue Strukturen im Beruf sowie Geschichte und Entwicklung diskutiert und bewertet. Entwicklungen in den Firmen, bspw. spezielle Rasenmischungen oder neue Ideen zum Bauen mit Backsteinen, wurden vorgestellt. Anschließend haben Vertreter aus verschiedenen öffentlichen Stadtbehörden ihre Strategien und Umsetzung der Landschaftsarchitektur und –Planung erläutert.
Abschließend wurde ein Bericht von den Sitzungsvorsitzenden verfasst; im Laufe der nächsten Monate werden die Vorträge und Diskussionen in Buchform veröffentlicht.
Bei einer Exkursion hatten am Sonntag, den 25. November etwa 200 Interessierte Gelegenheit, die natürliche und kulturelle Schönheit der Region zu erleben, nachdem am Vorabend der offizielle Teil des Kongresses bei einem feierlichen Abendessen mit anschließendem Tanz endete. Dabei konnten Naturparks (u. a. Köprülü Kanyon), Zypressenwälder und die archäologische Stadt Selge besichtigt werden.
Aus der Sicht von Landschaftsarchitektur und Naturschutz war der Kongressort, die ehemals unverbaute Küstenregion „Lara“, ein besonders negatives Beispiel zur Visualisierung, wie durch Maßnahmen der „Tourismusförderung für die Region“ die Natur in ein Las Vegas von riesigen Themenhotels und Einkaufszentren verwandelt wurde, während im Hinterland Hochhäuser wie Pilze aus dem Boden schießen. Über diese Entwicklung und ihre Folgen wurde mit dem LA-Verband Antalya diskutiert.
Der Kongress hat gezeigt, dass die Landschaftsarchitektur in der Türkei bei Natur- und Kulturressourcen zunehmend auf Erhaltung und Management setzt. Berufsverbände und Universitäten setzen sich gemeinsam für mehr Rechte von Landschaftsarchitekten ein, damit ihre Planungskompetenz künftig in der Regional- und Stadtplanungspolitik wirkungsvoller eingesetzt wird, insbesondere im Hinblick auf die Umsetzung von EU-Regelungen und –Standards.
(Fotos: Martin Mosler)