Die Landesgartenschau Neu-Ulm 2008 hat ihre Tore geschlossen. Ich nehme dies zum Anlass, um einen Gedanken zum Thema „Planung in der öffentlichen Wahrnehmung“ und „Raumbildung als Aufgabe der Landschaftsarchitektur“ auszuführen. Eine umfassende Bewertung der Schau unter den verschiedenen Gesichtspunkten von städtebaulicher Bedeutung bis hin zu floristischer Qualität kann und will ich mir hier nicht vornehmen.
Das Gartenschau-Gelände ist bzw. war in drei Teile gegliedert:
- das Glacis mit Zugang zu historischen (wenn auch nie gebrauchten) Verteidigungsanlagen um 1900 mit vorgelagerten Flächen, die durch Verlegung des Bahnhofs Neu-Ulm in ein Tiefgeschoss freigeworden sind, unter dem Motto „Gartenpracht und Wohnvisionen“,
- das Vorfeld unter dem Motto „Blumenschau und Gartenbau“ und
- das Wiley (benannt nach einem amerikanischen Befehlshaber der Nachkriegszeit) auf dem Gelände eines ehemaligen Kriegsgefangenenlagers, unter dem Motto „Gartenpracht und Sportkultur“. In einer weitläufigen rechteckigen Grundform sind Scateranlagen, Beachvolleyball und andere Angebote eingebracht. Später wird dieser Parkteil zum Campus einer neuen Fachhochschule gehören.
Die drei Parkteile umgreifen eine Wohnsiedlung einer Konversionsfläche amerikanischer Kasernen. Sie sind durch zwei vierspurige Straßen voneinander getrennt. Mit dem Gedanken, sie durch ein gut ausgestaltetes Brückenband zu verbinden, konnte sich das Büro Plankontext Landschafsarchitektur 1999 im Wettbewerb durchsetzen.
In den weiten Wiesen des Wiley wie auch auch den Terrassen des Glacis bewähren sich wieder die roten Schirme, die in angenehmer Weise einen Gartenschau-Wiedererkenungswert von der BUGA 2005 in München darstellen. Kleiner dimensioniert, aber auch belebend ist das Sport- und Spielangebot.
Die Gartenschau an sich nimmt sich auch des Themas Hausgarten an. Im Glacis werden Musterhäuser mit zugehörigem Garten vorgestellt, im Vorfeld präsentiert der Verband Garten und Landschaftsbau, VGL, 8 Gärten unter verschiedenen Themen.
Man kann sich fragen, ob transportable Minihäuser, die die Mobilität der Bürger im Blick haben, aber ja auch aufgestellt werden müssten, was zu Siedlungsformen führen würde, die irgendwo zwischen einer Kleingartenanlage und den flächenfressenden Einfamilienhaussiedlungen liegen würden, wirklich Ansätze zur Lösung städtebaulicher Fragen bieten, ob es nicht doch andere Wege geben könnte, um städtebauliche und architektonische Denkansätze zu vermittlen. Man kann es aber auch akzeptieren, weil dieses Modell der Gartenschau Ansätze bietet, um dem offensichtlichen Grundbedürfnis nach einem eigenen Garten Rechnung zu tragen und gleichzeitig die Bandbreite der Möglichkeiten in der Planung aufzuzeigen.
So passt es gut ins Bild, wenn auch der BDLA sich in seinem Schaugarten dem Thema „Wohnen im 20./21. Jahrhundert“ widmet und eine Parzelle am sogenannten „Gotischen Haus“ gestaltet. Ein Prospektständer enthält das Faltblatt des BDLA zum Thema „Hausgarten“, das für die Leistungen von Landschaftsarchitekten wirbt. Wie nun stellt sich dieser Mustergarten dar? Ich lasse eine Reihe von Bildern sprechen: