Gartenschauen - im "Spiegel" online: "Vielen Dank für die Schulden"Mittwoch, 21. April 2010
"Vielen Dank für die Schulden" lautet die Überschrift zu einem Artikel von Julian Trauthig über Bundesgartenschauen. Seine Quintessenz läuft darauf hinaus, dass sie niemandem außer der Gartenbaubranche und den Planern nützten und im Wesentlichen Steuergelder verschwendeten. "Die einzige, die direkt von Blumenschauen profitiert, ist die Gartenbaulobby". Der Begriff "Nachhaltigkeit" sei oft gepriesen, aber kaum zu messen, ebenso wie die positiven finanziellen Effekte für die Region. Dass sie zu einer gelungenen Stadtentwicklung beitragen könnten wird kaum ernsthaft diskutiert, eher bezweifelt. Zweistellige Millionenbeträge werden dagegen genannt, um Kosten und Defizite zu beziffern. Im kulturellen Bereich war der Spiegel noch nie ein Blatt, das Maßstäbe auf dem Weg der Unterscheidungen gesetzt hätte. Auch hat man den Eindruck, dass man die Aussagekraft der genannten Zahlen durchaus in Frage stellen kann. Ein eher polemisch vor sich hinschäumender Stil erinnert mehr an ein Propagandaschriften als an seriöse Berichterstattung. Gleichwohl muss man es ernst nehmen, dass solche Texte Wirkung haben. Sie sollten nicht unkommentiert bleiben. Man muss es wohl zur Kenntnis nehmen, wie wenig Stadtgestaltung, insbesondere Grünplanung als kultureller Beitrag, räumliche Organisation, Baukulter und Qualität im Außenraum als "Aktiva" städtischen Lebens in der Öffentlichkeit bewußt sind. Ansonsten könnte ein solcher Artikel wohl kaum auf zustimmende Leser hoffen. Und noch etwas: im Zuge der Diskussion zum Internet ist viel von "Qualitätsjournalismus" gesprochen worden. Nicht notwendig aber scheint die Zugehörigkeit zu einem etablierten Blatt dazu zu verpflichten. Ortstermin Olympiapark mit dem Münchener ForumMontag, 3. August 2009Blick vom Olympiaturm auf Stadion und See des Ensembles Olympiapark München
Auch am Donnerstag, den 30. Juli 2009 war es das wieder Anliegen der Initiatoren, die Öffentlichkeit in den Diskussionsprozess einzubeziehen. Im Einladungstext zu einer Führung vor Ort heißt es: „Die Bewerbung Münchens als Austragungsort für die Olympischen Winterspiele 2018 geht in die heiße Phase, und Fakten werden geschaffen. Gemäß unserer langen Beschäftigung mit dem Olympiapark halten wir es für notwendig, die Öffentlichkeit mit einzubeziehen. Wir besichtigen alle Brennpunkte der Entwicklung, um uns ein eigenes Bild über die Gegebenheiten vor Ort machen zu können.“ Von Seiten der Bewerbergesellschaft nahmen Herr Schwartz (Leiter Umwelt der Bewerbungsgesellschaft), Herr Vogt (Planer der ARGE München 2018/AS&P) sowie Frau Plätzer (Planungsprozesse Bewerbungsgesellschaft) teil. Ausgehend von der Westseite des Olympiaparks zeigten sie Pläne zum Stand der Überlegungen. Derzeit beinhalten sie noch keine architektonisch konkreten Aussagen, wohl aber Festlegungen zur Flächennutzung. In der Süddeutschen Zeitung vom 10. Juli 2009 wurde darüber berichtet. "Ortstermin Olympiapark mit dem Münchener Forum" vollständig lesen Von den Schwierigkeiten des Bauherren, einen (passenden) Architekten zu findenDonnerstag, 5. Juni 2008Ein potentieller Bauherr rief gestern an und fragte mich in meiner Eigenschaft als Vorsitzende des DGGL-Landesverbandes Bayern Süd e.V., ob ich ihm vielleicht einen Landschaftsarchitekten für eine Außenraumgestaltung im Zusammenhang mit einem Bauprojekt in Bayern empfehlen könne. Da ich mich als Vertreterin eines gemeinnützig anerkannten Verbandes mit Vermittlungen zurückhalten möchte, habe ich ihm den BDLA als Ansprechpartner empfohlen, der ja auf seiner Website eine Kategorie „Planervermittlung“ anbietet. Ja, diesen Service kenne er, antwortete der Interessent. Zwar habe er aus dieser Quelle problemlos 30 Adressen von Büros bekommen, nachdem er seine Kriterien eingegeben habe, aber er habe Schwierigkeiten gehabt, sich von den genannten Büros ein genaueres Bild zu machen. Über das Internet habe er kaum Informationen zum konkreten Planungsangebot oder auch zum persönlichen Stil der Landschaftsarchitekten gefunden. Wenn eine Website vorhanden sei, erweise sich diese oft als wenig aussagekräftig, und mehr als die Hälfte der Büros sei im Netz überhaupt nicht vertreten. „Dem Manne kann geholfen werden“... wenn man bedenkt, dass gerade das Internet geeignet ist, mit wenig Kapitalaufwand Informationen zu verbreiten, und auch bedenkt, dass es Dienstleistern gut zu Gesicht steht, dem Kunden entgegen zu kommen, so war es für mich ein aufschlussreiches Erlebnis, zu hören, wie schwer es auch dem willigsten Bauherren werden kann, sich dem Markt der Angebote von Landschaftsarchitekten zu nähern. Es könnte geholfen werden, wenn die Architektenzunft sich auf diesem Gebiet nicht in so vornehmer Zurückhaltung üben würde. Die Selbstdarstellung über das Internet wird in allen Bereichen des Wirtschaftslebens immer mehr zum Standard. Nachtrag: Eben stoße ich auf eine Anmerkung im BDLA-Blog "Landschaftsarchitektur im Web" von Stefan Kalkhoff, die so gut zu diesem Beitrag passt, dass ich sie gern ergänzend zitieren möchte (12. Mai): "Es muss einmal gesagt werden: Je weiter ich ins ausländische Netz vorstoße, umso mehr erfahre ich über die Unzulänglichkeit und Dürftigkeit der öffentlichen Darstellung und gesellschaftlichen Wahrnehmung unseres Berufsstandes in Deutschland." Diskussion zu Umbauplänen für den Olympiapark MünchenFreitag, 7. März 2008Denkmalschutz muss man sich leisten können. Der Olympiapark München ist mit seinen Bauten ein Gesamtkunstwerk von internationaler Bedeutung und steht als Ensemble unter Denkmalschutz. Die Bewirtschaftung der Sportstätten und ihres Umfeldes liegt in der Verantwortung der Olympiapark GmbH. Wie schon früher beschrieben, stellen sich für die Olympiapak GmbH mit dem Wegzug des professionellen Fussballs Fragen: wie sollen die Gebäude und der Park nun finanziert werden? Es klafft eine Lücke von 5 Millionen Euro jährlich, von der die Hälfte erwirtschaftet werden soll. Dazu wurde ein Paket mit kommerziellen Freizeitangeboten geschnürt: Event, Wellness, Sport. Und dazu wurden Gebäudeprojekte angedacht, zum Teil bereits öffentlich bekannt– ein Hotel am U-Bahneingang, der Wettbewerb dazu ist gelaufen, einen Bebauungsplan gibt es noch nicht - zum Teil noch als unverbindliche interne Vorüberlegung: Wellnessklinik, Eventhalle und Parkhaus im Bereich des Olympiaturms zur Lerchenauer Straße hin, wo sich derzeit eine Freiflächen, Container, eine Eissporthalle und anderes befinden. Ein Neuordnungsprozess in beiden Bereichen steht außer Diskussion. Der Busbahnhof soll zurückgebaut werden, die Konstellation zwischen Olympiaturm und Lerchenauer Straße wirkt auch heute nicht überzeugend. Dennoch lösten die Projekte Unruhe in Fachkreisen und in der Öffentlichkeit aus. Viele vertreten die Auffassung, dass der denkmalgeschützte Olympiapark durch solche Maßnahmen in seiner Substanz irreversibel geschädigt wäre. Eine Diskussionsveranstaltung gab am Dienstag Abend Gelegenheit zum Austausch. Münchener Forum, Architekturgalerie und Stadtmuseum luden zum Gespräch. "Diskussion zu Umbauplänen für den Olympiapark München" vollständig lesen Hinweis: Diskussionsveranstaltung Olympiapark MünchenDonnerstag, 28. Februar 2008Für diejenigen, die sich mit den Diskussionen um den Olympiapark beschäftigen, ein Hinweis: Das Münchner Forum, das Münchner Stadtmuseum und die Architekturgalerie München laden zu einer Diskussionsveranstaltung ein. Am Dienstag, den 4. März, 19.00-21.00 Uhr sprechen
im Münchener Stadtmuseum. Es moderiert Prof. em. Ferdinand Stracke, Architekt BDA, Stadtplaner SRL. Nährere Informationen finden Sie hier. AK Historische Gärten der DGGL zu Planungen Olympiapark MünchenDonnerstag, 31. Januar 2008![]() Olympiapark München Am 23. Januar 2008 hat Peter Jordan, der Monitoringbeauftragte des AK Historische Gärten der DGGL, ein Schreiben an den Oberbürgermeister der Stadt München, Christian Ude gerichtet. In dem Brief bittet er ihn, sich zu seiner Haltung bezüglich Bebauungsplänen des Olympiaparks zu äußern. Vertrauensvoll im Hinblick auf des Oberbürgermeisters Pflege von Gartendenkmälern auf städtischem Boden kann man die Einschätzung der Lage durch Herrn Jordan nicht nennen. Er schreibt, sich auf Vorgänge aus der Vergangenheit im Englischen Garten (Fernheizungstrasse in offener Bauform, Trambahntrasse) beziehend: „Diese Vorhaben wurden nicht deswegen verhindert, weil die Stadt München sich schützend vor die Gartendenkmäler gestellt hätte, denn sie war ja der Projektant, sondern weil sie der Bayerischen Schlösserverwaltung unterstehen und damit städtischem Zugriff entzogen sind. Dies gilt jedoch nicht für den Olympiapark, so dass man Schlimmes befürchten muss.“ Leidvolle Erfahrung spricht auch aus folgendem Absatz: “Daneben veranlasst dieser Vorgang erneut zu der Frage, was ein Denkmalschutzgesetz noch wert ist, wenn es von einer Stadt wie der Landeshauptstadt nicht beachtet werden muss, und man muss weiterfragen, welche Bedeutung eine untere Denkmalbehörde hat, wenn sie als städtische Behörde zum Schutz der städtischen Schätze nicht aktiv werden kann.“ In diesem Zusammenhang erinnert er daran, dass die Charta von Athen, am 15.12.1981 vom International Council on Monuments and Sites (ICOMOS) registriert, von der Bundesrepublik ratifiziert wurde und damit geltendes Recht sei, an das auch die Landeshauptstadt München gebunden sei. Diese könne mithin mit ihren geschützten Denkmälern nicht „in freier und unkontrollierter Weise umgehen“. In seiner Einleitung erläutert Jordan ausführlich und treffend die Qualitäten dieses Gartendenkmals aus jüngerer Zeit. Zum Olympiapark schreibt er, man könne ihn „trotz seiner im Verhältnis noch kurzen Geschichte schon jetzt als Aussage der Gartenkunst seiner Zeit zu den bedeutenden Gartenschöpfungen rechnen“. Er betont dabei den Stellenwert auch des Umgebungsschutzes, wenn er über die „landschaftlich geführten Zuwege“ sagt: „... diese Wege stimmen schon auf die großartige Kunst- und Sportlandschaft ein.“ Jordan räumt ein, dass der überwiegende Teil der Planungsideen Hotel, Wellnesklinik und Parkhochhaus im Umfeld des Olympiaturms und U-Bahnausgangs zwar noch nicht öffentlich bekannt gemacht worden seien. Er erinnert aber an Äußerungen der Stadtbaurätin, die öffentlich davon sprach, dass das für seine Zeit typische, bescheidene Theatron zu „einem protzigen Freilufttheater werden“ solle, das „mit Einrichtungen zum Thema „Aktivität – Freizeit - Erlebnis“ bestückt werden soll.“ Diese Äußerungen „waren so konkret, dass man sie getrost als konkret-programmatisch bezeichnen kann.“ Zu den anderen Planungen sagt er: „Sie wissen aber natürlich sehr genau, wie weit diese Planungen bereits gediehen sind.“ Dies scheint wahrscheinlich, ist Herr Ude doch auch Aufsichtsratsvorsitzender der Olympiapark-GmbH, die mit solchen Plänen Einbußen von Mieteinnahmen auszugleichen gedenkt, seit der professionelle Fußball in die Allianz-Arena umgezogen ist. Man wird sehen, wie der Münchner Oberbürgermeister mit solchen widerstreitenden Interessen umgehen wird. Den vollen Wortlaut des Schreibens des AK Historische Gärten finden Sie hier. Es ist abgestimmt mit Dr. Klaus von Krosigk, dem 1. Vorsitzenden des AK, und Dr. Kaspar Klaffke, Präsident der DGGL. Der Arbeitskreis Historische Gärten ist mit ca. 90 Mitgliedern der größte und bekannteste Arbeitskreis der DGGL auf Bundesebene. Er setzt sich für den Erhalt und den Schutz historischer Gärten, Parks und Kulturlandschaften ein, ein Aufgabengebiet, das die DGGL als eines ihrer zentralen Anliegen benennt. Dieser Anspruch ist in der Satzung des Vereins als "...Erhalt wertvollen Kulturgutes" verankert und zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der DGGL. Der Münchner Olympiapark - Baugrund für Wellnessklinik, Hotel, Eventhalle und Parkhochhäuser?Donnerstag, 6. Dezember 2007![]() Olympiapark München
Gleichwohl scheint es heute durch wirtschaftliche Zwänge gefährdet, nachdem das Olympiastadion nicht mehr für den Profi-Fussball genutzt wird. Der Olympiapark München GmbH fehlen Mieteinnahmen. Der Landschaftspark um die Olympiabauten ist der Betreibergesellschaft Olympiapark München GmbH unterstellt, die ihre herben Einnahmeverluste nach dem Auszug der Fußballvereine kompensieren will. Am 05.12.2007 fand im Arbeitskreis Münchener Grün der DGGL LV BayS eine Sitzung statt, in der ausgehend von einem Artikel von Gottfried Knapp in der Süddeutschen Zeitung vom 19.11.2007 über mögliche Folgen dieser Entwicklung gesprochen wurde: "In München geschieht derzeit Ungeheuerliches. Die Stadt will sich zum zweiten Mal nach 1972 um Olympische Spiele bewerben, schmiedet gleichzeitig aber Pläne, wie sie die denkmalgeschützten Hinterlassenschaften der ersten Olympischen Spiele - das weltweit gerühmte Sport-Park-Ensemble - an den empfindlichsten Stellen gewinnträchtig überbauen will, also der Vernichtung preisgibt" Demnach wird überlegt - was die Stadt München nur zum Teil bestätigt - Flächen an der U-Bahn-Haltestelle und um den Olympiaturm für Hotels, eine Wellnessklinik, eine Eventhalle und ein Parkhochhaus bereitzustellen. Im Januar 2008 sei Abgabetermin für einen Wettbewerb zum Hotel über dem U-Bahn Eingang. Laut Zeitungsbericht wurde auch schon laut darüber nachgedacht, dass auch der terrassierte grüne Hang zum See vom zeltumspannten Coubertinplatz einem Freilufttheater weichen könnte. Es wurde als eine der DGGL “auf den Leib geschneiderte” Aufgabe angesehen, sich der möglichen Veränderungen eines Parks anzunehmen, der in der Verantwortung der auf Gewinn ausgerichteten Olympiapark GmbH steht. Der künstlerische Wert eines Ensembles oder auch der Wert einer Grünanlage für die Allgemeinheit läßt sich in Wirtschaftlicheitsberechnungen eines Unternehmens nicht abbilden. Ihr Erhalt scheint in dieser Konstellation mehr als bedroht. (Foto: augschburger via Flickr) Praterkraftwerk an der Isar – Anmerkungen zum GenehmigungsverfahrenMittwoch, 5. Dezember 2007
"Praterkraftwerk an der Isar – Anmerkungen zum Genehmigungsverfahren" vollständig lesen Gespräch mit der Münchner Gesellschaft für Stadterneuerung (MGS) über HaidhausenDonnerstag, 8. November 2007![]() Bordeauxplatz in Haidhausen
Am gestrigen Tag hatten die Organisatoren, Frau Menzebach-Füss und ich, die Gelegenheit, ein informatives und ausführliches Gespräch mit Herrn Munderloh, Stadtplaner bei der Münchner Gesellschaft für Stadterneuerung (MGS), zu führen. Nachdem wir in der Vergangenheit einige ebenso erfreuliche wie anregende Erkundungsgänge zur Vorbereitung unserer Stadtführung erlebt hatten, wollten wir Näheres vom Sanierungsträger des Viertels erfahren. Gemeinsame Ortskenntnisse und Überlegungen zur Stadtgeschichte bildeten die Basis, um sich im Gespräch eine Vorstellung vom Wirken der MGS in 25 Jahren zu machen. Das Städtebauförderungsprogramm für Haidhausen wird im kommenden Jahr abgeschlossen. Im Herbst 2008 wird dazu eine Broschüre der MGS erscheinen. Haidhausen war lange alles andere als ein gutes Wohnviertel. Hier siedelten sich Leute an, die in den Stadtmauern Münchens nicht unterkommen konnten. Elend prägte das Bild. Repräsentative Achsen wie Prinzregentenstraße und Maximilianstraße, mit denen das Ostufer der Isar heute erschlossen wird, entstanden erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ab 1870 prägten – im Zuge der Euphorie des gewonnenen Kriges gegen Frankreich – Ideen aus Paris das Wachstum des Franzosenviertels am neuen Ostbahnhof. Hinter glanzvollen Fassaden an Plätzen und Achsen verbargen sich aber Arbeiterwohnungen mit erheblichen hygienischen Problemen – Enge, Wasserversorgung aus Brunnen, Sickergruben im Hof u.s.w. Nach dem zweiten Weltkrieg verkamen die erhaltenen Altbauten nicht nur, weil man auf Neubauten setzte, sondern auch weil Gesetze zur Mietbeschränkung wenig Anreiz boten, um die die Gebäude zu investieren. In München sprach man vom Glasscherbenviertel. ![]() Lage von Haidhausen
Herr Munderloh konnte aufschlußreiche Hintergrundinformation zu dem, was wir gesehen hatten, geben: zu Problemen mit Individualverkehr, zu Fragen der Pflege von Grünflächen, zum Umgang mit gewachsenen Strukturen, zum Einsatz von Fördermitteln zur Hofbegrünung, zu Reibungen mit Eigentümern bei der Umsetzung von gesetzlichen Vorgaben zur Nutzung ihrer Grundstücke, zu Konflikten zwischen Wohn- und Gewerbenutzung und vielem mehr. Die Vorbereitung unserer offenen Planerexkursion in Haidhausen führt zu immer neuen Fragen: Wie ist es zu städtebaulichen Entscheidungen gekommen? Welche Leitbilder – wie etwa die Charta von Athen - spielten eine Rolle? Was bedeuteten gesetzliche Rahmenbedingungen wie Städtebauförderungsgesetz, Bebaungsplanung, städtische Satzungen für Einzelentscheidungen vor Ort? Wie haben sich die Ideale der Grünplanung in 25 Jahren verändert – Stichwort Gemeinschaftsgrün – privates Grün? Welche Rolle spielt Grünqualität für individuelles Wohnen in der Stadt? Welche Planer waren beim konkreten einzelnen Projekt beteiligt? Oft sieht man eine deutliche Handschrift, oft erfreut man sich am Sinn für Lebensqualität der Bewohner, der sich in einer Sitzgruppe, abgestelltem Kinderspielzeug, einer berankten Wand oder auch einer gut gepflegten Pflanzung zeigt. Deutlich wird in jedem Fall, dass Grünqualität und Stadtqualität eng zusammenhängen. Betrachtung zum FeriensiedlungsbauSonntag, 2. September 2007![]() Heute, im skandinavischen Stil ...
An der Neustädter Bucht (sie liegt fast nördlich über der alten Hansestadt Lübeck) entsteht derzeit auf einem Acker direkt hinter dem Strandstreifen eine Feriensiedlung im skandinavischen Stil. Einige einzeln stehende Hütten sowie Reihen- und Doppelhäuser werden auf recht engem Raum errichtet, so dass man sich nicht sicher ist, ob ihnen überhaupt ein Garten zugeordnet werden wird. Sie wirken ansprechend, und offensichtlich war es ein Ziel, daß jedes Haus Blick auf das Meer hat. Die Siedlung liegt direkt neben einer Hochhausgruppe aus den 70er Jahren. "Wie kann man nur..." wird mancher sich sagen. Aber man sollte nicht unterschätzen, dass sie damals auf viele ebenso "up to date" gewirkt haben mag, wie die skandinavische Siedlung heute, auch wenn die reichere Variante an sich natürlich ansprechender wirkt. Immerhin haben solche Projekte Mehrheiten gefunden. Auch sollte man nicht unterschätzen, dass die einzelnen Wohnungen von innen aus gesehen Qualitäten haben: weiter Blick über die schleswig-holsteinische Landschaft und das Meer, praktische Zuschnitte, helle Räume. Gewissermaßen phänomenal allerdings wirken die Außenräume - auch nach einer Umgestaltung. Gern hätte ich hier die Anmutungsqualität der Asphaltfläche zwischen den Betongebäuden gezeigt, wie ich sie vor einigen Jahren sah. Aber offenbar hat man etwas Geld investiert und den Bodenbelag geändert. Das Ergebnis lässt sich sehen, das Meer von hier aus aber nicht, ebensowenig wie Baum und Strauch. Kann das wirklich an der Tiefgarage darunter liegen? Ob wohl die Farben des Hauses, in den 90ger Jahren offenbar zur Aufwertung angebracht, ebenso aufregend auf die Bewohner wirken wie der Planungsvorschlag offenbar auf die Entscheidungsträger, die ja für diese Maßnahme eine sicher nicht geringe Summe bereit stellten?
![]() ... und aus den 70er Jahren Was immer man von solchen Siedlungen halten mag, mit guter Landschaftsarchitektur hätte man die Aufenthaltsqualität, den "Empfang", den Übergang von innen nach außen, so meine ich, doch eher verbessern können als mit etlichen Eimern Fassadenfarbe. Interessant ist die Gegenüberstellung der Siedlungen in unmittelbarer Nachbarschaft; sie sprechen deutlich vom Wandel des Zeitgeistes. Beides Bauen im Außenraum, hätte man als individueller Bauherr eine Chance, ein solches Filet-Feld-Grundstück am Meer individuell zu gestalten, vielleicht sogar mit nenneswertem Grund dazu? Wie würde es sich auswirken, wenn eine Gemeinde Grund dazu freigeben würde statt an Großinvestoren – solange es aus landschaftspflegerischer Sicht zu vertreten ist?
Wenige Kilometer von der neuen Siedlung im Skandinavischen Stil entfernt liegt an derselben Strandlinie eine andere Siedlung, deren Anfänge auf die 20ger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts zurückgehen. Jedes Grundstück ist dort individuell bebaut worden, die Gärten haben nicht selten hohen ökologischen Wert. Sicher ist im Aufschwung der Nachkriegszeit die Zersiedelung von Landschaft zum Problem geworden, aber schüttet man nicht das Kind mit dem Bade aus, wenn solche Gründungen grundsätzlich nicht mehr möglich sind?
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